Einsatz im Busch mit der Helimission – Teil 5: Ab in die nächsten Dörfer

Dies ist der fünfte und letzte Teil der Serie von Martins Einsatz im Busch mit der Helimission in Januar.

Am nächsten Morgen machen die Piloten die Helikopter startbereit. Alles funktioniert wie geplant. Schon bald sind Ross und ich im reparierten Helikopter auf dem Weg zum zweiten Dorf. Der andere Helikopter ist mit den beiden Mechanikern auf dem Weg zurück zur Base.

Als wir im zweiten Dorf ankommen, ist das Einsatzteam bereits seit einigen Stunden im Einsatz. Ich habe noch etwas Zeit und spiele mit den Kindern Fussball. Der Fussball besteht aus einem mit Schnur umwickelten Krungel aus Plastiksäcke. Alle Kinder kommen und möchten sehen, wie gut ich als Weisser Fussball spielen kann und fordern mich heraus. Bald ist es bereits wieder Zeit alles einzupacken und zum dritten Dorf zu fliegen.

Im dritten Dorf habe ich die Möglichkeit, einige Gedanken an die Leiter weiterzugeben. Mich fasziniert es, wie die Leute hier im Busch mit ganz anderen Voraussetzungen und einer anderen Lebensweise den gleichen Gott anbeten wie wir. Sie kennen die gleiche Botschaft wie wir. Das erläutere ich anhand von meinem «Die 4 Punkte»-Armband.

im Anflug zum dritten Dorf

Am Abend ist es in den Dörfern immer noch bis spät in die Nacht sehr lebhaft. Entweder trommelt einer oder jemand kann doch irgendwie eine Musikanlage mit Lautsprecher betreiben und beschallt damit das Dorf. Sobald es am Morgen nach 5 Uhr langsam hell wird, beginnt auch das Dorfleben wieder. Dann werden die Tiere versorgt, gekocht, gehämmert und es herrscht reges Treiben.

Diese Nacht verbringe ich auf einer sehr weichen «Matratze» aus Bananenblättern und geniesse die paar ruhigen Stunden im Dorf.

An diesem Morgen ist noch eine Taufe geplant. Sedera weiss von sechs erwachsenen Personen, welche sich gerne taufen lassen möchten. Eine Taufe ist immer ein ganz spezieller Moment und berührt alle Leute sehr. Um welche Zeit es losgeht weiss niemand so genau. Irgendwann beginnen einige Personen mitten im Dorf Lieder zu singen. Das ist das Zeichen, dass die Taufe startet. Es kommen immer mehr Personen dazu. Begleitet von Gesang spazieren alle Leute gemeinsam zum nahegelegenen Fluss. Am Fluss erklärt Sedera den Sinn der Taufe. Anschliessend werden die Personen nacheinander im Fluss getauft. Während der ganzen Zeit singen die Leute Lieder. Am Schluss sind es 26 Personen, welche sich taufen liessen.

Taufe im Fluss

Nach der Taufe gilt es, möglichst schnell alles einzupacken und in das vierte und letzte Dorf zu fliegen. Dieses Dorf liegt nicht mehr auf dem Hochplateau von Madagaskar. Hier ist es nochmals deutlich wärmer. Es ist umringt von hohen Bergen. Inmitten dieser Kulisse fühle ich mich wohl.

Im vierten Dorf fasziniert mich das Singen in der offenen «Kirche». Die Leute singen hier sehr schön. Sie singen auch am Abend noch lange in die Nacht hinein. Unser Haus ist direkt neben der Kirche und ich geniesse es, bei diesem Gesang einzuschlafen.

die offene Kirche

In diesem Dorf waren es ausnahmsweise nicht so viele Personen, welche eine medizinische Behandlung nötig hatten. Setra und Mbula konnten bereits am Tag davor alle Patienten behandeln. So können sich diese beiden an diesem Morgen etwas erholen.

Da unser Rückflug zur Base etwas länger ist und wir zusätzlich noch einen Tankstopp machen müssen, ist es gut, wenn wir früh losfliegen können.

Unser Pilot Ross macht den Helikopter bereit. Das Wetter ist im Moment gut. Auch er möchte bald losfliegen, bevor dann die angekündigten Wolken den Flug hinauf auf das Hochplateau verunmöglichen.

unser Weg hinauf auf das Hochplateau von Madagaskar

Das Bereitmachen des Helikopters dauert heute Morgen noch etwas länger. Über die Nacht haben sich im Cockpit einige hundert Ameisen eingenistet. Sie haben in einer Box ein paar Tropfen ausgelaufene Kondensmilch gefunden. Es gibt vom Boden eine Ameisenstrasse über die Metallstangen in den Helikopter und dann quer durch das ganze Cockpit. Ameisen, welche während dem Flug dem Piloten das Bein hochkriechen, sind nicht so ideal… Wir brauchen fast eine Stunde, um die vielen Ameisen wieder aus dem Cockpit zu bekommen.

Es ist hier Brauch, dass man den Gästen zum Abschied ein Geschenk mitgibt. In diesem Dorf erhalten wir mehrere Kilo Reis, mehrere Kilo Bananen, eine grosse Jackfruit und mehrere lebende Güggel. Hühner und Güggel überreicht man lebend, da sie so länger haltbar sind und damit wir selber entscheiden können, was wir damit machen. Von den Besuchen in vorherigen Dörfern haben wir bereits schon andere Geschenke. Nun muss unser Pilot Ross das Gewicht kontrollieren und sicherstellen, dass wir nicht zu schwer sind. Er packt die Waage aus und wägt jedes einzelne Gepäckstück. Wir haben leider zu viel Gepäck und können nicht alle Geschenke mitnehmen. Es ist gar nicht so einfach zu entscheiden, welche Geschenke wir dalassen wollen.

Wir können trotzdem noch genügend Geschenke mitnehmen. Für mich bleibt ein Güggel übrig. Ich habe zwar keine Ahnung, wie man einen Güggel füttert und pflegt, nehme ihn aber mit. Wir werden sicher irgendwie einen Platz finden, wo wir ihn halten können. Die Einheimischen wissen das schon und können uns helfen.

Unser Hahn „Fanomezana“ darf die Nacht in der Dusche verbringen

Trotz allem können wir noch genügend früh im Dorf losfliegen. Nach einem Tankstop auf einem kleinen Regionalflughafen, landen wir müde, aber sicher wieder auf dem Flughafen in Antananrivo. Ich freue mich Silvana und die Kinder wieder zu sehen und in den Arm zu nehmen.

Tankstopp auf einem kleinen Regionalflughafen

Insgesamt hat Setra in den vier Dörfern bei über 150 Menschen einen oder mehrere Zähne gezogen.

Das Einsatzteam ist müde und nutzt die Zeit während dem Flug zum Schlafen

Die Helimission finanziert sich ausschliesslich über Spenden. Die Piloten der Helimission finanzieren sich über einen eigenen Freundeskreis. Die Organisationen, welche Einsätze mit der Helimission machen, bezahlen einen sehr günstigen Preis für die Benützung des Helikopters.