Endgültige Abreise aus Madagaskar – schon fast zu Hause

Nachdem am Dienstagmittag immer klarer wurde, dass es mit der Reise in die Schweiz klappen würde, haben wir sofort mit Aufräumen, Packen und Organisieren begonnen. Innerhalb 24 Stunden musste alles in Madagaskar geregelt sein und mussten wir mit gepackten Koffern am Flughafen stehen.

Wir haben damit gerechnet, dass es schnell gehen wird, wenn es eine Möglichkeit für die Reise in die Schweiz gibt. Aus diesem Grund haben wir alle Abschiede bereits ausgiebig gefeiert und die Dinge, welche sich im vornherein regeln liessen, erledigt. Wir hatten auch bereits eine Liste, mit den Dingen, welche wir dann kurz vor Abreise noch erledigen müssen.

Natürlich waren die Emotionen und der Stresslevel am Dienstag extrem gross! Das hat uns alle nochmals sehr herausgefordert. Am späten Dienstagabend war dann schon fast alles in unseren acht Koffern verstaut und soweit vorbereitet, dass die verbleibenden Sachen am Mittwochmorgen noch ohne Stress erledigt werden können.

Während unserem letzten Morgenessen am Mittwoch klingelte unser Handy. Die Schweizer Botschaft teilte uns mit, dass wir, aufgrund besonderer Vorkehrungen, schon 1,5h früher als geplant, am Flughafen sein müssen. Das hiess, dass wir unsere Liste nun nochmals etwas schneller abarbeiten mussten. Jeder von uns musste Vollgas geben. Mit der Unterstützung von unseren Freunden, waren wir kurz vor zehn Uhr zur Abfahrt bereit. Dann war es aber soweit und wir mussten unseren Freunden, mit welchen wir viel erlebt und geteilt haben, «weluma» sagen. Das war für uns und viele von ihnen nicht einfach.

Martin durfte noch ein letztes Mal mit unserem Mitsubishi Pajero zum Flughafen fahren. Wir waren zwar nicht ganz zur abgemachten Zeit dort, aber doch früh genug. Nun hiess es, uns noch von den engsten Freunden zu verabschieden. Das war nochmals ein sehr emotionaler Moment! Wir wussten, dass dieser Moment kommen wird und trotzdem ist es nicht leicht, sich von all den lieben Menschen zu verabschieden.

Der Flug nach Doha (Katar) war ein Charter-Flug und wurde von einer grossen Minenfirma organisiert, um ihre Mitarbeiter auszufliegen. Mit ein paar Anderen waren wir eine sehr kleine Gruppe, welche nicht Mitarbeiter dieser Firma waren. Wir wurden trotzdem sofort freundlich in Empfang genommen und mit Namen begrüsst. Dann hiess es warten. Aus Gesundheitsgründen haben sie versucht, die Nicht-Mitarbeiter und Mitarbeiter, so gut wie möglich, zu trennen.

Es gab an diesem Tag nur einen einzigen Flug am Flughafen. So hatte es überall sehr wenige Passagiere und sämtliches Personal war für uns und unseren Flug da. Als wir an der Reihe waren, gingen die Kontrollen sehr schnell und entspannt. Wir hatten genügend Zeit und niemand war gestresst.

Wir haben sehr viele, sehr schöne Souvernirs eingepackt und waren noch etwas gespannt, wie gut wir durch die Zollkontrolle kommen werden. Viele Steine, Hölzer und Tiere sind geschützt. Man darf viele Souvernirs nur mit Zertifikat und Kaufquittung ausführen. Das wird bei der Ausreise recht gut kontrolliert. Prompt mussten wir einen Souvernirkoffer öffnen. Der Zöllner hatte beim Durchleuchten etwas entdeckt und wollte sich das genauer ansehen. Wir mussten ihm diverse Schmuckstücke und Steine zeigen. Es war aber alles kein Problem und wir konnten alle Sachen wieder einpacken.

Der Flug wurde von Qatar Airways mit einem A350 durchgeführt. Erstaunlicherweise blieben viele Plätze leer und so konnten wir uns im Flieger auf beliebig viele Plätze und Reihen verteilen. Auch hier war es sehr ruhig und entspannt.

es ist gemütlich im Flugzeug

An das Tragen der Gesichtsmasken haben wir uns schon lange gewöhnt. Dass die ganze Kabinencrew jedoch weisse Ganzkörperschutzanzüge bis über die Haare, Schutzbrillen, Masken und Handschuhe trägt, ist jedoch sehr gewöhnungbedürftig. Man fühlt sich als Passagier wie ein Aussätziger in einem Chemielabor. Wir haben so keine Ahnung, was das für Leute sind, welche uns sehr freundlich und zuvorkommend umsorgt haben. Man kann die Crew einzig an den sehr unterschiedlichen Englisch-Akzenten unterscheiden.

Der Flug verlief angenehm und ruhig. Schlafen war jedoch schwierig. Gegen Ende des Fluges wurde es Laura schlecht und sie musste sich übergeben. Wie schon auf der Hinreise im Dezember wollte das anschliessend einfach nicht mehr stoppen und so hat sie die ganze Nacht lang erbrochen. Das hat sie sehr mitgenommen und an ihren Kräften gezehrt.

Es ist schon interessant, wie man sich über die Monate an einen anderen Standard gewöhnt hat. So kam Elio zum Beispiel völlig erstaunt vom WC zurück und berichtete aufgeregt: «Papi, auf dem WC gibt es zum Händewaschen sogar warmes Wasser».

Wir kamen kurz vor Mitternacht in Doha an. Das Airport-Hotel war leider bereits ausgebucht. Wir fanden aber einen Family Restroom, wo wir uns auf den Sitzen und am Boden ausbreiten konnten. So konnte jeder von uns doch noch etwas schlafen. Wir trösten uns über die Unbequemlichkeiten mit dem Wissen hinweg, dass wir bereits die nächste Nacht in unseren eigenen Betten in unserem Haus in der Schweiz verbringen werden.

Nachtlager am Flughafen in Doha

Nach 8 Stunden Aufenthalt in Katar, ging es dann mit einiger Verspätung mit Qatar Airways weiter nach London. Dieser Flug war sehr voll. Das heisst, jeder zweite Sitz war besetzt. Wir sind dankbar, wie gut unsere Kinder mit diesen langen Warte- und Flugzeiten umgehen! Dank ihren Englischkenntinissen können sie sich jetzt auch mit anderen Passagieren oder dem Flugpersonal unterhalten. In dieser speziellen Situation, wo alle Leute eine besondere Geschichte haben, kommt man viel einfacher mit anderen in Kontakt als früher.

Wir sind gut in Lodon gelandet. Der Flughafen ist praktisch leer. Am Security-Check ist lediglich noch ein einziger anderer Passagier. In der Abflughalle sind sämtliche Einkaufsläden, Restaurants und Lounges geschlossen. Einzig die Apotheke und ein einziger Kiosk sind geöffnet. Auf den vielen Sitzgelegenheiten sitzen nur ganz wenige Leute in der Halle verteilt. Die Anzahl Flüge für diesen Tag füllen gerade mal einen halben Bildschirm. Am ganzen Flughafen hat es weniger Leute als am Markt in Ambohidratrimo, wo wir jeweils unser Gemüse eingekauft haben.

Warten am Flughafen London Heathrow

Nun warten wir auf unseren letzten Flug mit der Swiss nach Zürich. Bisher ist alles nach Plan gelaufen und wir vertrauen auch darauf, dass dies auch für den letzten Abschnitt der Reise noch so bleiben wird.

Zu Hause werden wir dann Zeit brauchen, uns zu erholen und die letzten Tage zu verarbeiten. In Afrika gibt es dazu das Sprichwort, dass man bei schnellen und grossen Reisen, sich danach immer ausgiebieg Zeit nehmen soll, damit die Seele noch nachreisen kann. Erst wenn auch die Seele angekommen ist, sollte man weitergehen.

2 Antworten auf „Endgültige Abreise aus Madagaskar – schon fast zu Hause“

  1. Habe immer wieder an euch gedacht und bin sehr froh, dass es bis jetzt doch recht gut gegangen ist…

  2. Mit Freude habe ich heute Morgen gesehen, dass bei euch drüben alle Rollläden zu sind. Ihr seid also wirklich wieder da!
    Ich freue mich, euch dann wieder live zu sehen! Und die Girls wieder im Klavierunterricht (wenn sie denn wieder wollen… 🙂

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