Einsatz im Busch mit der Helimission – Teil 5: Ab in die nächsten Dörfer

Dies ist der fünfte und letzte Teil der Serie von Martins Einsatz im Busch mit der Helimission in Januar.

Am nächsten Morgen machen die Piloten die Helikopter startbereit. Alles funktioniert wie geplant. Schon bald sind Ross und ich im reparierten Helikopter auf dem Weg zum zweiten Dorf. Der andere Helikopter ist mit den beiden Mechanikern auf dem Weg zurück zur Base.

Als wir im zweiten Dorf ankommen, ist das Einsatzteam bereits seit einigen Stunden im Einsatz. Ich habe noch etwas Zeit und spiele mit den Kindern Fussball. Der Fussball besteht aus einem mit Schnur umwickelten Krungel aus Plastiksäcke. Alle Kinder kommen und möchten sehen, wie gut ich als Weisser Fussball spielen kann und fordern mich heraus. Bald ist es bereits wieder Zeit alles einzupacken und zum dritten Dorf zu fliegen.

Im dritten Dorf habe ich die Möglichkeit, einige Gedanken an die Leiter weiterzugeben. Mich fasziniert es, wie die Leute hier im Busch mit ganz anderen Voraussetzungen und einer anderen Lebensweise den gleichen Gott anbeten wie wir. Sie kennen die gleiche Botschaft wie wir. Das erläutere ich anhand von meinem «Die 4 Punkte»-Armband.

im Anflug zum dritten Dorf

Am Abend ist es in den Dörfern immer noch bis spät in die Nacht sehr lebhaft. Entweder trommelt einer oder jemand kann doch irgendwie eine Musikanlage mit Lautsprecher betreiben und beschallt damit das Dorf. Sobald es am Morgen nach 5 Uhr langsam hell wird, beginnt auch das Dorfleben wieder. Dann werden die Tiere versorgt, gekocht, gehämmert und es herrscht reges Treiben.

Diese Nacht verbringe ich auf einer sehr weichen «Matratze» aus Bananenblättern und geniesse die paar ruhigen Stunden im Dorf.

An diesem Morgen ist noch eine Taufe geplant. Sedera weiss von sechs erwachsenen Personen, welche sich gerne taufen lassen möchten. Eine Taufe ist immer ein ganz spezieller Moment und berührt alle Leute sehr. Um welche Zeit es losgeht weiss niemand so genau. Irgendwann beginnen einige Personen mitten im Dorf Lieder zu singen. Das ist das Zeichen, dass die Taufe startet. Es kommen immer mehr Personen dazu. Begleitet von Gesang spazieren alle Leute gemeinsam zum nahegelegenen Fluss. Am Fluss erklärt Sedera den Sinn der Taufe. Anschliessend werden die Personen nacheinander im Fluss getauft. Während der ganzen Zeit singen die Leute Lieder. Am Schluss sind es 26 Personen, welche sich taufen liessen.

Taufe im Fluss

Nach der Taufe gilt es, möglichst schnell alles einzupacken und in das vierte und letzte Dorf zu fliegen. Dieses Dorf liegt nicht mehr auf dem Hochplateau von Madagaskar. Hier ist es nochmals deutlich wärmer. Es ist umringt von hohen Bergen. Inmitten dieser Kulisse fühle ich mich wohl.

Im vierten Dorf fasziniert mich das Singen in der offenen «Kirche». Die Leute singen hier sehr schön. Sie singen auch am Abend noch lange in die Nacht hinein. Unser Haus ist direkt neben der Kirche und ich geniesse es, bei diesem Gesang einzuschlafen.

die offene Kirche

In diesem Dorf waren es ausnahmsweise nicht so viele Personen, welche eine medizinische Behandlung nötig hatten. Setra und Mbula konnten bereits am Tag davor alle Patienten behandeln. So können sich diese beiden an diesem Morgen etwas erholen.

Da unser Rückflug zur Base etwas länger ist und wir zusätzlich noch einen Tankstopp machen müssen, ist es gut, wenn wir früh losfliegen können.

Unser Pilot Ross macht den Helikopter bereit. Das Wetter ist im Moment gut. Auch er möchte bald losfliegen, bevor dann die angekündigten Wolken den Flug hinauf auf das Hochplateau verunmöglichen.

unser Weg hinauf auf das Hochplateau von Madagaskar

Das Bereitmachen des Helikopters dauert heute Morgen noch etwas länger. Über die Nacht haben sich im Cockpit einige hundert Ameisen eingenistet. Sie haben in einer Box ein paar Tropfen ausgelaufene Kondensmilch gefunden. Es gibt vom Boden eine Ameisenstrasse über die Metallstangen in den Helikopter und dann quer durch das ganze Cockpit. Ameisen, welche während dem Flug dem Piloten das Bein hochkriechen, sind nicht so ideal… Wir brauchen fast eine Stunde, um die vielen Ameisen wieder aus dem Cockpit zu bekommen.

Es ist hier Brauch, dass man den Gästen zum Abschied ein Geschenk mitgibt. In diesem Dorf erhalten wir mehrere Kilo Reis, mehrere Kilo Bananen, eine grosse Jackfruit und mehrere lebende Güggel. Hühner und Güggel überreicht man lebend, da sie so länger haltbar sind und damit wir selber entscheiden können, was wir damit machen. Von den Besuchen in vorherigen Dörfern haben wir bereits schon andere Geschenke. Nun muss unser Pilot Ross das Gewicht kontrollieren und sicherstellen, dass wir nicht zu schwer sind. Er packt die Waage aus und wägt jedes einzelne Gepäckstück. Wir haben leider zu viel Gepäck und können nicht alle Geschenke mitnehmen. Es ist gar nicht so einfach zu entscheiden, welche Geschenke wir dalassen wollen.

Wir können trotzdem noch genügend Geschenke mitnehmen. Für mich bleibt ein Güggel übrig. Ich habe zwar keine Ahnung, wie man einen Güggel füttert und pflegt, nehme ihn aber mit. Wir werden sicher irgendwie einen Platz finden, wo wir ihn halten können. Die Einheimischen wissen das schon und können uns helfen.

Unser Hahn „Fanomezana“ darf die Nacht in der Dusche verbringen

Trotz allem können wir noch genügend früh im Dorf losfliegen. Nach einem Tankstop auf einem kleinen Regionalflughafen, landen wir müde, aber sicher wieder auf dem Flughafen in Antananrivo. Ich freue mich Silvana und die Kinder wieder zu sehen und in den Arm zu nehmen.

Tankstopp auf einem kleinen Regionalflughafen

Insgesamt hat Setra in den vier Dörfern bei über 150 Menschen einen oder mehrere Zähne gezogen.

Das Einsatzteam ist müde und nutzt die Zeit während dem Flug zum Schlafen

Die Helimission finanziert sich ausschliesslich über Spenden. Die Piloten der Helimission finanzieren sich über einen eigenen Freundeskreis. Die Organisationen, welche Einsätze mit der Helimission machen, bezahlen einen sehr günstigen Preis für die Benützung des Helikopters.

Einsatz im Busch mit der Helimission – Teil 4: Reparatur des Helikopters im Busch

Dies ist der vierte Teil der Serie von Martins Einsatz im Busch mit der Helimission in Januar.

Am zweiten Tag unseres Einsatzes ist unser Helikopter nicht mehr flugtauglich und wir sitzen im Busch fest.

Die Einsatzleitung auf der Basis bespricht im Laufe des Morgens das weitere Vorgehen. Da wir in einem Tal sind und der Satellitenempfang schlecht ist, macht sich unser Pilot Ross auf den Weg in die Höhe. Dort ist der Empfang besser und die Einsatzleitung auf der Basis teilt Ross das weitere Vorgehen mit. Um unseren Helikopter wieder flugtauglich zu machen, muss ein Mechaniker mit einer neuen Benzinpumpe zu uns in den Busch kommen. Das geht nur mit einem anderen Helikopter.

In Madagaskar gibt es 12 flugtaugliche Helikopter. Vier davon gehören dem Militär und zwei sind von der Helimission. Der zweite Helikopter ist zum Glück gerade nicht in Revision, aber auf einem Einsatz im Norden von Madagaskar. Dort wird der Helikopter nicht die ganze Zeit gebraucht. Es gibt keine andere Möglichkeit, als diesen Einsatz im Norden zu unterbrechen, mit dem Heli zur Basis zu fliegen und von dort mit den Mechanikern zu uns in den Westen zu fliegen.

Da der Pilot auf dem Einsatz im Norden an diesem Tag schon die Flüge vor Ort gemacht hat und nun noch zwei Stunden bis zur Basis fliegen muss, muss für den Weiterflug in den Busch noch ein anderer Pilot aufgeboten werden. Aber auch das passt und der zusätzliche Pilot ist verfügbar.

Es gibt im Dorf aber genügend Patienten und so macht das Einsatzteam einfach mit ihrer Arbeit weiter. Auch Sedera nutzt die zusätzliche Zeit in diesem Dorf für weitere Treffen.

Im Laufe des Nachmittags ertönt dann plötzlich lauter Motorenlärm. Der zweite Helikopter ist im Anflug. Dieser landet mit zwei madagassischen Mechanikern und einer Benzinpumpe im Gepäck. Nicht nur das Dorf, sondern auch wir vom Einsatzteam empfangen den Heli freudig.

Der zweite Helikopter ist im Anflug

Da unser nächstes Dorf nur einige Flugminuten entfernt liegt, wird unser Einsatzteam mit dem zweiten Helikopter in das nächste Dorf geflogen. So kann auch das zweite Dorf durch das Team versorgt werden. Aus Kapazitätsgründen kann jedoch eine Person aus dem Team nicht mitfliegen. Da ich keine konkrete Aufgabe im Team habe, bleibe ich mit unserem Pilot Ross zurück beim defekten Helikopter.

Das Team fliegt mit dem zweiten Helikopter sofort weiter.

Die Mechaniker schauen sich den defekten Heli sofort an. Aber auch sie bringen die Benzinpumpe nicht zum Laufen. Die Benzinpumpe scheint also defekt zu sein und muss ausgetauscht werden. Damit die Pumpe ausgebaut werden kann, muss zuerst das ganze Benzin abgelassen werden. Leider gibt es dafür unten im Tank nur eine kleine Öffnung. Das Ablassen des Benzins in die Kanister dauert deshalb bis zum Eindunkeln. Wir können nicht viel machen. Wir sind eine lustig zusammengewürfelte Truppe. Da sind die beiden madagassischen Mechaniker, Ross aus Australien, der Pilot des zweiten Helikopters aus der Schweiz und ich. Wir haben viel Spass miteinander und so vergeht die Zeit recht schnell. Der eine Mechaniker hat heute Geburtstag. Nun feiern halt wir den Geburtstag mit ihm im Busch.

Sobald der Tank leer ist, bauen die Mechaniker die Pumpe aus. Mittlerweile ist es zwar schon dunkel, aber da es nicht regnet wird entschieden die neue Pumpe trotzdem noch einzubauen. Obwohl es für alle schon ein langer Tag ist und alle langsam müde sind, bauen die Mechaniker die Pumpe mit grösster Sorgfalt und ohne Eile fachmännisch ein.

Um ca. 20:00 ist es endlich soweit. Die neue Pumpe kann nun ausprobiert werden. Der Helikopter wird wieder eingeschaltet. Wir warten gespannt auf das Surren der Benzinpumpe. Wir hören alle das Klicken der Schalter im Cockpit, aber kein Surren der Benzinpumpe. Das darf doch nicht wahr sein! Bevor die neue Pumpe eingebaut wurde, haben die Mechaniker die neue Pumpe am Helikopter angeschlossen und sie hatte dann noch funktioniert. Weshalb läuft die eingebaute Pumpe nicht mehr? Das kann nicht sein, denken alle. Liegt das Problem nicht bei der Pumpe? Wir kontrollieren nochmals die Stromversorgung. Die Strommessungen an den Kabeln zeigen irgendwie komische Resultate. Wir verstehen die Messungen nicht. Nach ein bisschen Überlegen wird mir klar, wo das Problem liegt. Da ich eine Elektronikerlehre absolviert habe, kenne ich mich mit Elektronik ziemlich gut aus. Ich gebe den Mechanikern nun Anweisungen, was sie messen sollen. Es gelingt mir das Problem einzugrenzen und einen Wackelkontakt beim Stecker der Benzinpumpe zu identifizieren. Wenn wir den Stecker richtig halten, dann läuft die Pumpe. Hallelujah!

auch im Dunkeln wird im Team gemeinsam weitergearbeitet

Nun wird es mir klar. Die Benzinpumpe war wirklich defekt und musste ausgetauscht werden. Beim Aus- und Einbauen der Benzinpumpe ging jedoch zusätzlich noch der Stecker kaputt. Der Helikopter wird zwar vorschriftsgemäss und sauber gewartet, aber bei einem 40-jährigem Helikopter kann das halt durchaus vorkommen.

die defekte Benzinpumpe ist ausgebaut

Damit wir wieder fliegen können, muss der defekte Stecker repariert werden. Wie repariert man einen defekten Stecker im Busch? Wir haben keinen Ersatzstecker dabei… Obwohl es mittlerweile schon spätabends ist, arbeiten wir alle miteinander weiter. Wer kein Werkzeug in der Hand hat, hält eine Taschenlampe und sorgt dafür, dass genügend Licht unter dem Helikopter vorhanden ist. Dem Mechaniker gelingt es, den Stecker zu öffnen. Dieser ist allerdings gelötet. «Wie lötet man denn im Busch?», denke ich. Vor langer Zeit hat ein Pilot der Helimission ein Lötset für 24-Volt zusammengestellt. Wir finden diesen Lötkolben tatsächlich. Die beiden Mechaniker haben nur wenig Erfahrung mit Löten. In meiner Elektronikerzeit habe ich fast jeden Tag gelötet und ich kenne mich damit sehr gut aus. Ich schaue mir den Lötkolben und die Kabel an und bin der Meinung, dass das gehen müsste. Wir stecken die Kabel zusammen und ich schliesse den Lötkolben im Cockpit am Helikopter an. Ich bin mir ziemlich sicher, dass alles korrekt ist. Trotzdem wird es mir ein bisschen mulmig beim Gedanken, falls doch etwas schief geht und danach die Elektronik des Helikopters beschädigt wird. In diesem Fall hätten wir ein grösseres Problem…

unser Lötkolbenset

Ich gebe die Anweisung den Strom des Helikopters nun einzuschalten. Und siehe da, der Lötkolben wird wie gewünscht warm. Die Batterie des Helikopters macht das auch alles mit. Wir warten bis der Lötkolben richtig heiss ist. Da die Kabel zu kurz sind, müssen wir ihn dann ausstecken und möglichst schnell unter den Helikopter zum defekten Stecker rennen. Auch das klappt und so gelingt es mir, den defekten Stecker zu löten. Dass ich mal im Busch einen defekten Helikopter flicken werde, hätte ich nie geträumt. Aber es macht sehr viel Spass!

Die Mechaniker schliessen die Arbeiten ab. Ross ist zwar kein Mechaniker und trotzdem ist es ganz am Schluss Aufgabe des Piloten, alle ausgeführten Arbeiten zu kontrollieren.

Am Schluss muss das Benzin spätabends wieder eingefüllt werden

Wir machen nochmals einen Test und stellen alle zufrieden fest, dass die Benzinpumpe nun wieder sauber arbeitet. Der Helikopter ist wieder flugtauglich. Das ist eine grosse Erleichterung für uns alle. Da ich die Reparatur gesehen habe und sogar selber gelötet habe, mache ich mir keine Sorgen, wenn wir mit diesem Helikopter wieder in der Luft sind.

Obwohl es schon spät ist und nicht geplant war, dass wir für eine zweite Nacht in diesem Dorf sind, werden wir nochmals mit einer üppigen Mahlzeit versorgt. Müde, aber zufrieden, dass doch noch alles geklappt hat, richten wir unser Nachtlager ein und schlafen schnell ein. Für die Mechaniker ist die Nacht im Busch auch eine neue Erfahrung.

Einsatz im Busch mit der Helimission – Teil 3: Es geht los

Dies ist der dritte Teil der Serie von Martins Einsatz im Busch mit der Helimission in Januar.

Am Montagmorgen machen wir uns als ganze Familie auf zur Base der Helimission. Diese ist in einem Hangar auf dem internationalen Flughafen von Antananarivo. Direkt neben der Helimission hat die Mission Aviation Fellowship (MAF) ihren Hangar. Ross hat den Helikopter bereits vorbereitet. Bei unserem Eintreffen werden die Passagiere und ihr Gepäck gewogen. Er notiert alles fein säuberlich und rechnet aus, ob wir das Totalgewicht nicht übersteigen. Nach ein paar Instruktionen geht es auch bald los. Der Helikopter wird auf das Startfeld gerollt. Ich verabschiede mich von der Familie und nehme neben den Piloten Platz.

Ich bin noch nie mit einem Heli geflogen. Wie wird das Fliegen behagen? Was erwartet mich wohl im Busch? Ich habe keine Ahnung und es ist schwierig sich das alles vorzustellen. Ich freue mich aber riesig auf das Abenteuer und lasse mich gerne darauf ein. Angst habe ich keine.

Nachdem Ross die Starterlaubnis vom Flughafen erhalten hat, startet er die Motoren und wir fliegen schnell los. Es ist toll mit dem Heli über den Flugplatz zu fliegen und weiter aufzusteigen. Ich geniesse jede Minute in der Luft. Die Landschaft in Madagaskar ist sehr schön. Im Westen ist alles saftig grün. Die Landschaft ist hügelig und es hat immer wieder grössere oder kleinere Flüsse.

Nach ca. 30 Minuten Flugzeit erreichen wir das erste Dorf. Wir werden, wie später auch jedesmal, grossartig begrüsst. Danach gibt es Mittagessen und das Einsatzteam beginnt mit der Arbeit. Ich bete für die einzelnen Mitarbeiter, bevor sie mit der Arbeit beginnen.

An diesem Nachmittag helfe ich Setra beim Ziehen der Zähne. Meine Aufgabe ist es, die medizinischen Werkzeuge zu reinigen oder wenn nötig den Kopf des Patienten zu halten. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals als zahnmedizinischer Assistent arbeiten werde! Bei einem Missionseinsatz muss man halt flexibel sein und man erlebt immer mal wieder etwas Neues mit Gott.

Bei den ersten 10 Patienten kann ich fast nicht zusehen, wie die Zähne gezogen werden. Ich denke an den enormen Schmerz, welche die Patienten erfahren. Mir tut es beim Zusehen weh. Die Patienten erhalten eine lokale Betäubung und deshalb ist der Schmerz beim Ziehen ertragbar. Zudem ist das Schmerzempfinden dieser Leute anders als bei uns. Durch die minimale medizinische Versorgung sind sich diese Leute starke Schmerzen auch über längere Zeit gewohnt. Viele Patienten leben wegen abgestorbenen oder verfaulten Zähnen und entzündetem Zahnfleisch schon länger mit Starken Zahnschmerzen. Da ist dieser kurze heftige Schmerz beim Ziehen des Zahns ertragbar und schlussendlich auch eine Erlösung. Beim Eindunkeln stoppen Setra und Mbula die medizinische Arbeit.

Zum Nachtessen gibt es nochmals Reis mit Huhn und Früchte. Es ist schon dunkel und wir richten uns nach der Mahlzeit für die Nacht ein. Wir können zwar in einem Haus übernachten, aber Setra und ich haben ein kleines Zelt, Mätteli und Schlafsack mitgebracht. Das Zelt und der eigene Schlafsack schützen uns vor Ratten, Mücken, Flöhen und anderem Ungeziefer. Die Dorfbewohner haben noch nie ein Zelt gesehen und wundern sich sehr über unsere Art zu schlafen. Uns ist das egal und wir schlafen bald ein.

Camping im Haus

Zum Zmorge gibt es Kaffee und Tee. Die meisten von euch wissen ja, dass ich Kaffee nicht gerne habe. Trotzdem probiere ich. Der Kaffee im Busch ist etwas ganz anderes! Die Bohnen dafür kommen von den Kaffeebäumen im Dorf. Sie werden geröstet und danach der Kaffee zubereitet. Ich mag diese Art Kaffee und trinke ihn ab jetzt bei jeder Gelegenheit.

gemeinsamer Worship im Busch

Danach macht sich jeder wieder an die Arbeit. Ich helfe Setra und schaue bei einem Treffen bei Sedera vorbei. Im Laufe des Morgens kommt unser Pilot Ross vorbei und meint, dass sich unser Abflug heute vor dem Mittag allenfalls etwas verzögert. Etwas später schaue ich mal beim Helikopter vorbei. Ross erklärt mir, dass die Benzinpumpe nicht anspringt. Sie macht kein Wank und so kann der Motor nicht gestartet werden. Über das Satellitentelefon nimmt Ross Kontakt mit der Basis auf. Der Mechaniker auf der Basis gibt Ross über Telefon einige Anweisungen. Ich helfe Ross beim Helikopter und schaue mir das Problem auch an. Leider gelingt es uns nicht, die Pumpe zum Laufen zu bringen.

Unser Helikopter ist also defekt und wir sitzen im Busch fest!

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Einsatz im Busch mit der Helimission – Teil 2: Einsatz

Dies ist der zweite Teil der Serie von Martins Einsatz im Busch mit der Helimission in Januar.

Die Einsätze in den einzelnen Dörfern laufen immer gleich ab. Im Laufe des Morgens startet das Einsatzteam mit dem Helikopter und fliegt das neue Dorf an. Die Leute im Busch freuen sich riesig auf den Helikopter. Zu diesem Ereignis kommen auch viele Leute aus den umliegenden Dörfern. So sind bei der Landung mit dem Helikopter immer sehr viele Leute anwesend.

Die Landung eines Helikopters ist faszinierend. Das will niemand verpassen. Sobald der Motorenlärm des Helikopters leiser wird, beginnen die Leute zu singen. Das sind immer sehr freudige, christliche Lieder. Nach einigen Liedern begrüsst man sich. Die Begrüssung vom Team hat immer Sedera gemacht. Der Leiter der christlichen Gemeinde und der Dorfverantwortliche begrüssen das Team mit einigen Worten. Danach folgt eine kurze christliche Botschaft von einzelnen Teammitgliedern. Auch ich durfte zweimal vor dem versammelten Dorf eine kurze Rede halten. Da es keine Lautsprecher gibt und viele Leute da sind, muss man halt einfach so laut wie möglich reden.

freudiger Empfang bei der Ankunft mit dem Helikopter im Dorf

Am Schluss erklärt Sedera jeweils noch, wie die medizinische Hilfe genau abläuft und welche Treffen geplant sind. Da die Leute im Busch keine Uhren haben, erfolgen diese Treffen nicht um eine fixe Zeit. Man beginnt solche Treffen einfach und dann kommen die Leute nach und nach.

Nach der Begrüssung wird der Helikopter ausgeladen. Das Material wird von Helfern aus dem Dorf zu «unserem» Haus gebracht. Auf dem Weg zum Haus wird weiter gesungen und alle Leute laufen mit. Das ist dann eine Art Festumzug durch das Dorf. Besonders uns Weissen möchte jeder die Hand schütteln. Es ist schon etwas speziell, wenn einem so viele Leute so freudig begrüssen und jeder einem die Hand geben möchte, ohne dass man etwas getan hat.

In jedem Dort werden wir nach der Ankunft im Haus sofort mit Essen versorgt. Es wurde uns jedes Mal bestes Essen aufgetischt. Es gibt immer Reis und Huhn. Reis ist Grundnahrungsmittel und gibt es jeden Tag. Ein geschlachtetes Huhn gibt es nur bei ganz besonderen Anlässen. Die Reissorte und die Zubereitung des Huhns ändern immer ein bisschen. Zur Vorspeise und zum Dessert gibt es Früchte. Wir essen viel Banane und Ananas. Es gibt aber auch Litchi und einmal sogar Jackfruit (Jakobsfrucht). In einem Dorf gibt es zusätzlich noch Rüeblisalat. Zum Trinken gibt es immer heisses Reiswasser.
Diese Mahlzeit gibt es zum Zmorge, Zmittag und Znacht.

Obwohl die hygienischen Bedingungen und die Zubereitung im Busch sehr rudimentär sind, ist das Essen auch für uns gut vertragbar. Die Leute wissen, dass man die Esswaren gut kochen muss und achten sehr darauf. Ich habe immer von allem gegessen und hatte nie Probleme mit der Verdauung.

Nach dem Willkommensessen richten sich Setra und Mbula für medizinische Hilfe ein. Das Dorf muss hierfür einen geeigneten Ort und Stühle und Tische zur Verfügung stellen. Als Zahnarztstuhl reicht irgendeine Art von normalem Holzstuhl völlig aus. Wichtig ist einzig, dass der Stuhl eine Querleiste für die Füsse hat, damit der Zahnarzt dem Patienten nicht auf die Füsse steht 🙂

Die Leute, welche eine Behandlung wünschen, tragen sich auf einer Liste ein.

Mbula macht medizinische Konsultationen. Sie untersucht die Patienten und gibt mitgebrachte Medikamente ab. Eine Konsultation kostest 1’000 Ariary. Das entspricht ca. 28 Rappen, ist aber für die Leute im Busch doch ein grösserer Betrag. Die Leute sind Selbstversorger und haben daher nicht viele Möglichkeiten, um an Geld zu kommen.

Mbula behandelt einen Patienten

Setra zieht Zähne. Bevor er damit beginnt, erklärt er den Leuten ein paar Grundsätze zur Zahnhygiene. Vielen Leuten im Busch ist Zahnhygiene fremd. Die Zähne werden praktisch nicht gereinigt. Zahnbürsten und Zahnpasta gibt es da nicht. Wenn, dann reinigen die Leute die Zähne mit Kohle. Das ist durchaus eine gute Variante und funktioniert.

Den Patienten erklärt er die Bedingungen für eine Behandlung. Das Ziehen eines Zahns ist im Busch nicht unproblematisch und deshalb gibt es ein paar Bedingungen, an welche sich die Patienten strikt halten müssen.

Die Bedingungen sind folgendermassen:

  • Nach dem Ziehen eines Zahns, muss für 3 Tage strikte Ruhe eingehalten werden. Es darf keine Arbeit verrichtet werden und auch sonst keine Anstrengungen gemacht werden. Werden mehrere Zähne gezogen, verlängert sich die Ruhezeit.
  • Es dürfen für 3 Tage keine warmen Esswaren oder Getränke eingenommen werden.
  • Vor der Behandlung muss der Magen gefüllt sein.
  • Das Ziehen eines Zahns kostet 1’000 Ariary (ca. 28 Rappen).

Einsatz im Busch mit der Helimission – Teil 1: Vorbereitungen

Der Leiter von YWAM Land of Canaan geht zusammen mit einer anderen christlichen Organisation etwa einmal pro Monat auf Einsatz in abgelegene Dörfer im Busch. Diese Einsätze werden zusammen mit der Helimission durchgeführt.

Ich (Martin) verfolge die Arbeit der Helimission schon länger. Besonders die Berichte über die Arbeit im Busch haben mich immer wieder fasziniert. Ich habe ab und zu davon geträumt, das mal zu erleben. Ich wusste schon bei den Vorbereitungen für unseren Einsatz in Madagaskar, dass die Helimission eine Basis in Madagaskar hat. Da ich aber weder missionarische oder medizinische Erfahrung habe, habe ich nie einen Sinn gesehen, so einen Einsatz zu machen und daran teilzunehmen.

Etwas kurzfristig kam dann die Anfrage an mich, ob ich das Team beim Einsatz im Januar begleiten möchte. Silvana und ich haben es zusammen besprochen und waren der Meinung, dass dies möglich ist. So konnte ich für vier Tage vom 14. – 18. Januar mit der Helimission auf Einsatz in den Busch.

Es ist zwar schon eine Weile her, aber nun berichte ich in einer mehrteiligen Serie über diese Arbeit und meine Erlebnisse. Diese Berichte sind garantiert „Virusfrei“ und lenken hoffentlich ein bisschen von diesem ganzen Thema ab.

Ziel der Einsätze

Das Ziel dieser Einsätze ist geistliche und medizinische Hilfe in abgelegene Dörfer zu bringen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Kombination von geistlicher und medizinischer Hilfe am effektivsten ist.

Im Moment liegt der Schwerpunkt dieser Einsätze bei abgelegenen Dörfern im Osten von Madagaskar. Das Team geht in Dörfer, wo vor kurzem eine christliche Gemeinde gegründet wurde.

abgelegenes Dorf im Osten von Madagaskar

Die nächste Strasse ist meistens nur in einigen Tagesmärschen zu Fuss erreichbar. Es gibt dort keine Wasser- und Stromversorgung. Wasser nimmt man vom Fluss. Einige Leute haben Solarzellen und laden damit ein paar Lampen für die Nacht. Handyempfang gibt es an diesen Orten nur selten.

Unser Einsatzteam

Unser Einsatzteam besteht aus 5 Personen.

Ross: Er ist unser Pilot. Er plant im Voraus die Flüge und kümmert sich um alles was mit dem Helikopter zu tun hat.

Sedera: Er ist Pastor und für die geistigen Themen zuständig. Er ermutigt und unterstützt die lokalen Leiter und Kirchen im christlichen Glauben. Auf den Einsätzen holt er Feedback von den Gemeindeleitern ein und bespricht mit ihnen ihre aktuellen Herausforderungen. Er ermutigt sie und gibt Inputs zu Leiterschaft. Auch Predigten für alle Leute aus dem Dorf gehören zu seiner Tätigkeit.

Mbula: Sie ist ausgebildete Krankenschwester. Sie macht medizinische Behandlungen für die Leute in den Dörfern.

Setra: Er ist YWAM-Mitarbeiter und arbeitet auf den Einsätzen als Zahnarzt. Neben einer medizinischen Grundausbildung hat er über mehrere Jahre von einem Zahnarzt gelernt, wie man Zähne zieht.

Wichtig ist, dass die Einsätze gut vorbereitet sind. Die regionalen Leiter und Leiter der christlichen Gemeinde im Dorf müssen frühzeitig informiert werden. Sie sind auch verantwortlich, dass das Einsatzteam während dem Aufenthalt im Dorf gut versorgt wird. Es müssen Zimmer zum Essen und Schlafen bereit gemacht werden. Stühle, Tische und Betten sind an diesen Orten nicht selbstverständlich… Wir hatten bei unserem Einsatz immer saubere Zimmer in einem guten Gebäude und Betten. An einem Ort hatten die Betten sogar Schaumstoffmatratzen. Das Essen und Kochen muss von den Leuten im Dorf organisiert werden und manchmal muss auch das WC-Häuschen noch extra gebaut werden.

Natürlich werden auch die regionalen und lokalen Behörden über den Heliflug und die Art des Einsatzes informiert. Der Pilot muss auf der Karte anhand der verfügbaren Informationen das richtige Dorf finden. Das ist oft eine schwierige Aufgabe. Die Karten sind von schlechter Qualität, veraltet und es kommt immer wieder vor, dass es den gleichen Ortsnamen mehrmals gibt. Manchmal sogar ganz nahe beieinander. Sobald klar ist, wo die Dörfer sind, muss der Pilot Flugzeiten berechnen und vor allem die Tankstopps planen. Da es nur wenige Flughäfen mit Tankstellen hat, hat die Helimission einige eigene Tanklager in Madagaskar. Das macht die Flugplanung etwas einfacher.