Immer noch in Madagaskar

Der 21. April 2020 war eigentlich unser Reisedatum für die Heimreise in die Schweiz. Wegen dem Lockdown wurde unser Flug jedoch gestrichen. Es gab noch ein paar wenige Flüge von Antananarivo nach Paris mit Air France. Wir haben es uns jedes Mal gut überlegt und sind immer wieder zum Schluss gekommen, dass es für uns besser ist, hier zu bleiben.

Wie geht es weiter?

Martin wird am Montag mit etwas reduziertem Pensum wieder mit der Arbeit bei seinem schweizer Arbeitgeber beginnen. Silvana wird ihre Arbeit bei YWAM Land of Canaan reduzieren und sich hauptsächlich um das Homeschooling und den Haushalt kümmern. Wenn möglich, würden wir gerne in der Auffahrtswoche vom 18. Mai in die Schweiz zurück reisen.
Auch wenn wir nicht mehr gleich viel bei YWAM mitarbeiten können, wollen wir uns weiterhin in die beiden Familien, welche wir hier sehr nahe begleiten, investieren.

In den letzten beiden Wochen hatten unsere Kinder Schulferien. So blieb etwas mehr Zeit, um die Umgebung zu erkunden. Lange wussten wir nicht so recht, wie sicher es ist, wenn wir hier zu Fuss durch die Gegend streifen. Mittlerweile fühlen wir uns aber sehr wohl und kennen doch schon einige Leute. So haben wir uns immer mal wieder auf Erkundungstour gewagt und schöne Plätze entdeckt. Besonders die Reisfelder sind zur Zeit wunderschön! Wer hätte gedacht, wie viele Schattierungen Grün es gibt!
Es hat uns gut getan, endlich mal wieder aus unserem Hof raus zu kommen und die Weite der Natur zu geniessen. Die Kinder sind viel ausgeglichener und auch wir Eltern sind entspannter.

Schule & Kreativ

Auch während dem Lockdown haben wir in den letzten drei Wochen intensiv Schule gemacht. Da die Schule in der Schweiz auf Fernunterricht umgestellt hat, haben wir auch auf diese Art Unterricht umgestellt. Unsere Kinder machen nun die gleichen Aufgaben, wie ihre Klassenkameraden in Wolfhausen. Sie erhalten von der Schule für jeden Tag einen genauen digitalen Arbeitsplan auf dem Computer. Diesen müssen sie durcharbeiten. Die erledigten Aufgaben können die Kinder abhaken. So sehen die Lehrer, welche Aufgaben die Kinder erledigt haben.

Lauras Aufgabenplan

Die Umstellung auf das neue System hat einige Tage gedauert. Nun arbeiten die Mädchen aber sehr zuverlässig und selbständig mit dieser neuen Art von Schule. Sie sind in direktem Kontakt mit ihren Lehrerpersonen in der Schweiz. Für uns hat sich der Aufwand damit deutlich verringert. Unsere Hauptaufgabe ist nun, dafür zu sorgen, dass die nötigen Blätter ausgedruckt sind und die digitalen Geräte und Zugänge funktionieren. Wir sind da um zu helfen, wenn etwas nicht geht, jemand nicht mehr weiterkommt oder um etwas zu erklären oder korrigieren. Wir sind aber nicht mehr hauptsächlich Lehrer, sondern eher Assistenten. So bleibt mehr Zeit, um mit Elio „Schule“ zu machen.

Hier sind ein paar Bilder aus unserem Schulzimmer:

Neben der Schule haben unsere Kinder auch einiges an kreativen Sachen gestaltet. Unsere Mitbewohnerin hat hier kräftig mitgeholfen und mit den Kindern immer wieder tolle Sachen gebastelt. Meistens bastelt sie mit den Kindern auf französisch. Als wir uns das mal genau überlegt haben, ist uns aufgefallen, wie viel die Kinder dabei gleichzeitig lernen. Die Alltagssprache hier ist englisch, beim basteln reden sie französisch und dann sind sie auch noch kreativ! Aber das Beste am ganzen ist, dass es allen beteiligten grossen Spass macht!

Hier sind einige Eindrücke der Kreativarbeiten:

Diese und nächste Woche sind Frühlingsferien. Bei uns ist es zwar Herbst, wir halten uns aber trotzdem an die Weisung des Volksschulamtes aus der Schweiz, dass während den Ferien keine Schule gemacht werden soll. Die Kinder haben nun mehr Zeit zum Spielen. Sie haben ihre wenigen Spielsachen hervorgenommen und in unserer Stube bereits ein Hotel mit den Playmobil-Sachen aufgebaut.

Playmobil-Spital

Sozialhilfe geht weiter

Wir hatten auch diese Woche wieder die Möglichkeit den 20 ärmeren Familien Lebensmittel abzugeben.

Auch dieses mal mussten wieder 125kg Reis und 20kg getrocknete Bohnen abgepackt werden. Es ist uns auch gelungen 20kg Rüebli, 20kg Kartoffeln und 100 Eier zu besorgen. Zusätzlich haben wir jedem Paket noch eine Seife dazugelegt.

Die Familien konnten die Pakete am Karfreitag abholen.

Silvana hat den Leuten anhand der „Vier Punkte“ die Osterbotschaft von Jesus am Kreuz weitergegeben.

Sie hat den Leuten auch erklärt, wie man mit diesen Lebensmittel jeden Tag eine möglichst ausgewogene Mahlzeit zubereiten kann und wie wichtig die Hygiene in dieser Zeit ist.

Die Spende, welche wir für dieses Lebensmittelprojekt bekommen haben, reichte, um zwei Mal Lebensmittelpakete zusammenstellen zu können.
Wir haben uns jedoch vorgenommen, dies noch mindestens zwei weitere Wochen zu machen. Am Donnerstagabend kam dann ganz unerwartet die Anfrage, ob wir noch Geld für dieses Projekt benötigen. Sofort wurde uns Geld für die nächsten zwei Wochen überwiesen. Wir staunen, wie das Timing auch dieses Mal wieder perfekt war und Gott versorgt!

Sozialhilfe in ausserordentlichen Zeiten

Auch hier ist wegen Covid-19 das öffentliche Leben seit zwei Wochen massiv eingeschränkt. Die meisten Madagassen leben von Tag zu Tag. Das heisst, dass mit dem Tageslohn das Essen für den aktuellen Tag gekauft wird. Wegen den massiven Einschränkungen haben viele Leute nun keine Arbeit und daher kein Einkommen mehr. Schon nach einigen Tagen werden die Lebensmittel sehr knapp.

Am Sonntag musste die Regierung entscheiden, ob man die Einschränkungen weiter beibehält. Die Covid-19 Fallzahlen steigen täglich. Die Regierung hat erklärt, dass es keine einfache Entscheidung war. Auf der einen Seite sind die Leute darauf angewiesen, dass sie normal arbeiten können und auf der anderen Seite muss man die Ausbreitung von Covid-19 möglichst gut aufhalten. Schlussendlich hat die Regierung entschieden, die Massnahmen nochmals um zwei Wochen zu verlängern.

Bei YWAM Land of Canaan gibt es ein Programm, bei welchem 20 ärmere Familien unterstützt werden. Jeweils zu Weihnachten und zum Nationalfeiertag im Winter (Juni) werden diese Familien zu einer Feier eingeladen. Dort wird gemeinsam gesungen und es werden christliche Gedanken weitergegeben. Am Schluss erhalten sie ein Lebensmittelpaket mit Grundnahrungsmitteln.
Diese Familien haben es in der aktuellen Krise sehr schwer und es ist für sie schwierig, an genügend Lebensmittel zu kommen.

Seitdem klar ist, dass wir noch einige Zeit in Madagaskar sein werden, haben wir uns überlegt, was nun unsere Aufgabe ist und wo wir mithelfen können.
Bei uns und im Team kam der Gedanke auf, dass man diese armen Familien jetzt mit Lebensmittel versorgen sollte.

Unverhofft erhielten wir vor einigen Tagen eine Spende. Das passte perfekt!
So haben wir sofort ein Programm auf die Beine gestellt. Das Team hat uns geholfen eine sinnvolle Lebensmittelliste zusammenzustellen. Auf schweizerische Art haben wir eine detaillierte Mengen- und Kostenberechnung gemacht. Wir haben darauf geachtet, dass wir dieses Programm für einige Wochen aufrecht erhalten können und nach der ersten Woche nicht bereits alles Geld aufgebraucht ist. Es ist für die Leute besser, wenn sie pro Woche halt etwas weniger erhalten, dafür mehrere Wochen immer wieder etwas.

Dank der Hilfe der Madagassen haben wir es geschafft, die nötigen Mengen an verschiedenen Orten einzukaufen. Wir mussten 3 Reissäcke à 50kg in der Reisfabrik, 20kg Zucker und Salz, 20kg getrocknete Bohnen und 20 Liter Oel besorgen.

Als Team haben wir die Lebensmittel in Säcke pro Familie abgefüllt. Laura durfte dabei mithelfen.

Die Abgabe der Lebensmittel haben wir am Freitagmorgen gemacht. Pro Familie kam eine Person. Bevor die Lebensmittel abgegeben wurden, konnte Silvana noch ein paar Gedanken weitergegeben. Die Leute sollen mit der christlichen Botschaft ermutigt werden.

Nun sind wir in der Planung und beim Organisieren der Abgabe für diese Woche. Am Freitag soll wieder ein Paket zum Verteilen bereit sein.

Gott versorgt

Hier in Madagaskar gibt es vieles, was uns sehr gut gefällt. Auch wenn es einige Herausforderungen gibt, fühlen wir uns wohl. Wir haben in den letzten Monaten einiges mit Gott erlebt. Als wir in den letzten Wochen zurück blickten fiel uns auf, dass viele dieser Erlebnisse zusammenspielen und gemeinsam ein klares Bild geben, wie Gott uns führt und versorgt. Es ist gar nicht so einfach, das alles verständlich aufzuschreiben. Wir probieren es aber trotzdem. Und wenn es zu chaotisch oder unverständlich sein sollte, dürft ihr gerne nachfragen 🙂

Als wir unsere Aufenhaltsbewilligung Anfang Jahr erhielten, waren wir etwas erstaunt, dass diese bis Dezember 2020 gültig ist. Schliesslich haben wir ein Rückflugticket um Mitte April wieder in die Schweiz zurückzukehren.

Wir erwähnten im Spass immer mal wieder, dass wir bis Dezember bleiben dürfen. Wir verwarfen den Gedanken, etwas länger zu bleiben immer sofort wieder, da es einfach nicht realistisch war. Es gäbe zu vieles, was wir noch hätten regeln und umorganisieren müssen. Innerlich war der Wunsch aber doch irgendwie da, noch etwas länger bleiben zu dürfen.

Martin meinte mal, dass wir einfach mal das Haus in der Schweiz zur Vermietung ausschreiben sollten und dann schauen, ob sich jemand meldet. Wir haben das natürlich nicht gemacht! Wir hätten immer noch viel zu viel regeln und umorganisieren müssen. Zudem gab es ja keinen triftigen Grund länger zu bleiben. Wir wollten unsere Zusagen und Verpflichtungen in der Schweiz einhalten.

Dann kam Covid-19. Die Welt veränderte sich schlagartig und massiv. Das veränderte auch für uns fast alles. Sehr schnell wurden die Flüge zwischen Europa und Madagaskar eingestellt. Es wurde angekündigt, dass diese Einschränkungen im Flugverkehr bis zum 19. April gelten werden.

Wir mussten relativ schnell entscheiden, ob wir nun das Land sofort verlassen wollen oder ob wir bis auf unbestimmte Zeit bleiben sollen. Falls wir bleiben, ist eine Rückkehr in die Schweiz bis Ende April sehr fraglich.

Wie berichtet, haben wir uns vor zwei Wochen nach langen Überlegungen und Gebeten gegen eine sofortige Rückkehr entschieden.

Aber eben, länger bleiben bedeutete auch, dass wir eine Menge Probleme lösen müssen.

Im Rahmen der Rückholaktion des EDA wurde zusammen mit der französisches Botschaft für Samstag 4. April nochmals ein Flug von Madagaskar nach Paris organisiert. Wir wurden von der Schweizer Botschaft in Madagaskar konkret angefragt, ob wir davon Gebrauch machen wollen.

Durch diese Anfrage mussten wir uns nochmals mit der Frage einer frühzeitigen Rückkehr beschäftigten. Dies war nun mittelfristig die letzte Gelegenheit, das Land zu verlassen. Wir haben wieder lange abgewogen und es war kein einfacher Entscheid.

Beim Hören auf Gott realisierten wir aber, dass Gott eigentlich alles vorbereitet und geregelt hat, dass wir länger bleiben können. Er hat alle Punkte, welche uns Sorgen bereitet haben, gelöst.

  • Haus in der Schweiz
    ein Umzug ist in der aktuellen Situation nicht ideal. Unsere Mieter haben deshalb darum gebeten, das Haus deutlich länger als bis Mitte April zu mieten.
  • Haus in Madagaskar
    Unser Haus in Madagaskar wäre ab Mai durch Einsatzteams aus anderen Ländern belegt worden. Diese Einsätze wurden alle abgesagt und wir dürfen weiterhin hier wohnen bleiben.
  • Silvanas Tageskinder
    Silvanas Arbeitgeber (Verein Tagesfamilien) hat ihr gesagt, dass sie sich um Lösungen kümmern werden. Im Moment ist sowieso alles anders als sonst und es sei ihre Aufgabe Lösungen zu finden, wenn wir Anfang Mai noch nicht zurück sind. Wir sollen uns keine Sorgen machen.
  • Martins Arbeitgeber
    Erstaunlicherweise hat es bei Martins Arbeitgeber so viel Arbeit wie schon lange nicht mehr. Nachdem es letztes Jahr nicht so gut aussah, ist das sehr erfreulich. Sie warten deshalb auch sehnlichst darauf, dass Martin wieder zu arbeiten beginnt. Martins Arbeit kann recht gut im Home Office erledigt werden. Er hat den Geschäftscomputer dabei und wir haben hier in Madagaskar eine Internetverbindung. So findet das „Home Office“ halt in Madagaskar statt.
  • Medizinische Versorgung
    Die medizinische Versorgung ist hier auf einem anderen Stand als in der Schweiz. Das war uns schon bewusst, als wir unseren Einsatz geplant haben und haben wir selber schon mehrfach gesehen. Als Covid-19 hier zum Thema wurde, gab es sofort einen Ansturm auf Paracetamol. Sämtlich Lagerbestände waren leer gekauft und es war nicht mehr möglich Paracetamol zu kaufen. Um uns ein bisschen für die ungewisse Zukunft abzusichern, hätten wir gerne ein paar Tabletten im Vorrat gehabt. Ganz unerwartet kamen Freunde auf uns zu und gaben uns Paracetamoltabletten, welche sie extra für uns gekauft hatten.

Gott hat alle unsere Punkte, welche wir jeweils für schwierig zu lösen hielten, gelöst. Er hat uns deutlich gezeigt, dass es noch nicht an der Zeit ist, in die Schweiz zurückzukehren.

Auch wenn wir jetzt hier in Madagaskar „feststecken“, fühlen wir uns doch nicht völlig abgeschnitten von der Schweiz. Wegen Covid-19 stellen Schule, Vereine und Kirchen vieles auf digital um. Uns kommt das sehr entgegen. So sind wir wieder ein bisschen näher an der Heimat. Wie alle anderen, schauen wir die Predigt von unserem Pastor aus unserer Gemeinde per Video, unsere Kinder machen Fernunterricht („Schabi“ – Schule am Bildschirm) wie ihre Klassenkameraden in Wolfhausen und Kontakt halten wir per WhatsApp und Skype. Viel näher wären wir unseren Freunden und Verwandten auch in der Schweiz nicht.

Das öffentliche Leben ist seit zwei Wochen ziemlich eingeschränkt und auf das Minimum reduziert. Auch wir halten uns daran und gehen nur noch für das abolut Nötigste ausser Haus.

Etwas komisch ist die Situation nun aber schon. Es gibt aktuell keine Möglichkeit mehr in die Schweiz zurückzukehren und wir wissen nicht, wann dies wieder möglich ist. Dies ist vorallem für die Kinder schwierig. Sie haben sich gefreut ihre Freunde wieder zu sehen und wieder in die Schule zu gehen. Da wir den Entscheidungsprozess über heimreisen oder hier bleiben aber zu fünft gemacht haben, sind auch sie überzeugt, dass es richtig ist, hier zu bleiben.

Wir wissen , dass Gott dafür sorgen wird, dass wir zur rechten Zeit wieder in die Schweiz kommen dürfen.

Wir vertrauen auch darauf, dass er hier für uns sorgen und uns beschützen wird.

Einsatz im Busch mit der Helimission – Teil 5: Ab in die nächsten Dörfer

Dies ist der fünfte und letzte Teil der Serie von Martins Einsatz im Busch mit der Helimission in Januar.

Am nächsten Morgen machen die Piloten die Helikopter startbereit. Alles funktioniert wie geplant. Schon bald sind Ross und ich im reparierten Helikopter auf dem Weg zum zweiten Dorf. Der andere Helikopter ist mit den beiden Mechanikern auf dem Weg zurück zur Base.

Als wir im zweiten Dorf ankommen, ist das Einsatzteam bereits seit einigen Stunden im Einsatz. Ich habe noch etwas Zeit und spiele mit den Kindern Fussball. Der Fussball besteht aus einem mit Schnur umwickelten Krungel aus Plastiksäcke. Alle Kinder kommen und möchten sehen, wie gut ich als Weisser Fussball spielen kann und fordern mich heraus. Bald ist es bereits wieder Zeit alles einzupacken und zum dritten Dorf zu fliegen.

Im dritten Dorf habe ich die Möglichkeit, einige Gedanken an die Leiter weiterzugeben. Mich fasziniert es, wie die Leute hier im Busch mit ganz anderen Voraussetzungen und einer anderen Lebensweise den gleichen Gott anbeten wie wir. Sie kennen die gleiche Botschaft wie wir. Das erläutere ich anhand von meinem «Die 4 Punkte»-Armband.

im Anflug zum dritten Dorf

Am Abend ist es in den Dörfern immer noch bis spät in die Nacht sehr lebhaft. Entweder trommelt einer oder jemand kann doch irgendwie eine Musikanlage mit Lautsprecher betreiben und beschallt damit das Dorf. Sobald es am Morgen nach 5 Uhr langsam hell wird, beginnt auch das Dorfleben wieder. Dann werden die Tiere versorgt, gekocht, gehämmert und es herrscht reges Treiben.

Diese Nacht verbringe ich auf einer sehr weichen «Matratze» aus Bananenblättern und geniesse die paar ruhigen Stunden im Dorf.

An diesem Morgen ist noch eine Taufe geplant. Sedera weiss von sechs erwachsenen Personen, welche sich gerne taufen lassen möchten. Eine Taufe ist immer ein ganz spezieller Moment und berührt alle Leute sehr. Um welche Zeit es losgeht weiss niemand so genau. Irgendwann beginnen einige Personen mitten im Dorf Lieder zu singen. Das ist das Zeichen, dass die Taufe startet. Es kommen immer mehr Personen dazu. Begleitet von Gesang spazieren alle Leute gemeinsam zum nahegelegenen Fluss. Am Fluss erklärt Sedera den Sinn der Taufe. Anschliessend werden die Personen nacheinander im Fluss getauft. Während der ganzen Zeit singen die Leute Lieder. Am Schluss sind es 26 Personen, welche sich taufen liessen.

Taufe im Fluss

Nach der Taufe gilt es, möglichst schnell alles einzupacken und in das vierte und letzte Dorf zu fliegen. Dieses Dorf liegt nicht mehr auf dem Hochplateau von Madagaskar. Hier ist es nochmals deutlich wärmer. Es ist umringt von hohen Bergen. Inmitten dieser Kulisse fühle ich mich wohl.

Im vierten Dorf fasziniert mich das Singen in der offenen «Kirche». Die Leute singen hier sehr schön. Sie singen auch am Abend noch lange in die Nacht hinein. Unser Haus ist direkt neben der Kirche und ich geniesse es, bei diesem Gesang einzuschlafen.

die offene Kirche

In diesem Dorf waren es ausnahmsweise nicht so viele Personen, welche eine medizinische Behandlung nötig hatten. Setra und Mbula konnten bereits am Tag davor alle Patienten behandeln. So können sich diese beiden an diesem Morgen etwas erholen.

Da unser Rückflug zur Base etwas länger ist und wir zusätzlich noch einen Tankstopp machen müssen, ist es gut, wenn wir früh losfliegen können.

Unser Pilot Ross macht den Helikopter bereit. Das Wetter ist im Moment gut. Auch er möchte bald losfliegen, bevor dann die angekündigten Wolken den Flug hinauf auf das Hochplateau verunmöglichen.

unser Weg hinauf auf das Hochplateau von Madagaskar

Das Bereitmachen des Helikopters dauert heute Morgen noch etwas länger. Über die Nacht haben sich im Cockpit einige hundert Ameisen eingenistet. Sie haben in einer Box ein paar Tropfen ausgelaufene Kondensmilch gefunden. Es gibt vom Boden eine Ameisenstrasse über die Metallstangen in den Helikopter und dann quer durch das ganze Cockpit. Ameisen, welche während dem Flug dem Piloten das Bein hochkriechen, sind nicht so ideal… Wir brauchen fast eine Stunde, um die vielen Ameisen wieder aus dem Cockpit zu bekommen.

Es ist hier Brauch, dass man den Gästen zum Abschied ein Geschenk mitgibt. In diesem Dorf erhalten wir mehrere Kilo Reis, mehrere Kilo Bananen, eine grosse Jackfruit und mehrere lebende Güggel. Hühner und Güggel überreicht man lebend, da sie so länger haltbar sind und damit wir selber entscheiden können, was wir damit machen. Von den Besuchen in vorherigen Dörfern haben wir bereits schon andere Geschenke. Nun muss unser Pilot Ross das Gewicht kontrollieren und sicherstellen, dass wir nicht zu schwer sind. Er packt die Waage aus und wägt jedes einzelne Gepäckstück. Wir haben leider zu viel Gepäck und können nicht alle Geschenke mitnehmen. Es ist gar nicht so einfach zu entscheiden, welche Geschenke wir dalassen wollen.

Wir können trotzdem noch genügend Geschenke mitnehmen. Für mich bleibt ein Güggel übrig. Ich habe zwar keine Ahnung, wie man einen Güggel füttert und pflegt, nehme ihn aber mit. Wir werden sicher irgendwie einen Platz finden, wo wir ihn halten können. Die Einheimischen wissen das schon und können uns helfen.

Unser Hahn „Fanomezana“ darf die Nacht in der Dusche verbringen

Trotz allem können wir noch genügend früh im Dorf losfliegen. Nach einem Tankstop auf einem kleinen Regionalflughafen, landen wir müde, aber sicher wieder auf dem Flughafen in Antananrivo. Ich freue mich Silvana und die Kinder wieder zu sehen und in den Arm zu nehmen.

Tankstopp auf einem kleinen Regionalflughafen

Insgesamt hat Setra in den vier Dörfern bei über 150 Menschen einen oder mehrere Zähne gezogen.

Das Einsatzteam ist müde und nutzt die Zeit während dem Flug zum Schlafen

Die Helimission finanziert sich ausschliesslich über Spenden. Die Piloten der Helimission finanzieren sich über einen eigenen Freundeskreis. Die Organisationen, welche Einsätze mit der Helimission machen, bezahlen einen sehr günstigen Preis für die Benützung des Helikopters.

Einsatz im Busch mit der Helimission – Teil 4: Reparatur des Helikopters im Busch

Dies ist der vierte Teil der Serie von Martins Einsatz im Busch mit der Helimission in Januar.

Am zweiten Tag unseres Einsatzes ist unser Helikopter nicht mehr flugtauglich und wir sitzen im Busch fest.

Die Einsatzleitung auf der Basis bespricht im Laufe des Morgens das weitere Vorgehen. Da wir in einem Tal sind und der Satellitenempfang schlecht ist, macht sich unser Pilot Ross auf den Weg in die Höhe. Dort ist der Empfang besser und die Einsatzleitung auf der Basis teilt Ross das weitere Vorgehen mit. Um unseren Helikopter wieder flugtauglich zu machen, muss ein Mechaniker mit einer neuen Benzinpumpe zu uns in den Busch kommen. Das geht nur mit einem anderen Helikopter.

In Madagaskar gibt es 12 flugtaugliche Helikopter. Vier davon gehören dem Militär und zwei sind von der Helimission. Der zweite Helikopter ist zum Glück gerade nicht in Revision, aber auf einem Einsatz im Norden von Madagaskar. Dort wird der Helikopter nicht die ganze Zeit gebraucht. Es gibt keine andere Möglichkeit, als diesen Einsatz im Norden zu unterbrechen, mit dem Heli zur Basis zu fliegen und von dort mit den Mechanikern zu uns in den Westen zu fliegen.

Da der Pilot auf dem Einsatz im Norden an diesem Tag schon die Flüge vor Ort gemacht hat und nun noch zwei Stunden bis zur Basis fliegen muss, muss für den Weiterflug in den Busch noch ein anderer Pilot aufgeboten werden. Aber auch das passt und der zusätzliche Pilot ist verfügbar.

Es gibt im Dorf aber genügend Patienten und so macht das Einsatzteam einfach mit ihrer Arbeit weiter. Auch Sedera nutzt die zusätzliche Zeit in diesem Dorf für weitere Treffen.

Im Laufe des Nachmittags ertönt dann plötzlich lauter Motorenlärm. Der zweite Helikopter ist im Anflug. Dieser landet mit zwei madagassischen Mechanikern und einer Benzinpumpe im Gepäck. Nicht nur das Dorf, sondern auch wir vom Einsatzteam empfangen den Heli freudig.

Der zweite Helikopter ist im Anflug

Da unser nächstes Dorf nur einige Flugminuten entfernt liegt, wird unser Einsatzteam mit dem zweiten Helikopter in das nächste Dorf geflogen. So kann auch das zweite Dorf durch das Team versorgt werden. Aus Kapazitätsgründen kann jedoch eine Person aus dem Team nicht mitfliegen. Da ich keine konkrete Aufgabe im Team habe, bleibe ich mit unserem Pilot Ross zurück beim defekten Helikopter.

Das Team fliegt mit dem zweiten Helikopter sofort weiter.

Die Mechaniker schauen sich den defekten Heli sofort an. Aber auch sie bringen die Benzinpumpe nicht zum Laufen. Die Benzinpumpe scheint also defekt zu sein und muss ausgetauscht werden. Damit die Pumpe ausgebaut werden kann, muss zuerst das ganze Benzin abgelassen werden. Leider gibt es dafür unten im Tank nur eine kleine Öffnung. Das Ablassen des Benzins in die Kanister dauert deshalb bis zum Eindunkeln. Wir können nicht viel machen. Wir sind eine lustig zusammengewürfelte Truppe. Da sind die beiden madagassischen Mechaniker, Ross aus Australien, der Pilot des zweiten Helikopters aus der Schweiz und ich. Wir haben viel Spass miteinander und so vergeht die Zeit recht schnell. Der eine Mechaniker hat heute Geburtstag. Nun feiern halt wir den Geburtstag mit ihm im Busch.

Sobald der Tank leer ist, bauen die Mechaniker die Pumpe aus. Mittlerweile ist es zwar schon dunkel, aber da es nicht regnet wird entschieden die neue Pumpe trotzdem noch einzubauen. Obwohl es für alle schon ein langer Tag ist und alle langsam müde sind, bauen die Mechaniker die Pumpe mit grösster Sorgfalt und ohne Eile fachmännisch ein.

Um ca. 20:00 ist es endlich soweit. Die neue Pumpe kann nun ausprobiert werden. Der Helikopter wird wieder eingeschaltet. Wir warten gespannt auf das Surren der Benzinpumpe. Wir hören alle das Klicken der Schalter im Cockpit, aber kein Surren der Benzinpumpe. Das darf doch nicht wahr sein! Bevor die neue Pumpe eingebaut wurde, haben die Mechaniker die neue Pumpe am Helikopter angeschlossen und sie hatte dann noch funktioniert. Weshalb läuft die eingebaute Pumpe nicht mehr? Das kann nicht sein, denken alle. Liegt das Problem nicht bei der Pumpe? Wir kontrollieren nochmals die Stromversorgung. Die Strommessungen an den Kabeln zeigen irgendwie komische Resultate. Wir verstehen die Messungen nicht. Nach ein bisschen Überlegen wird mir klar, wo das Problem liegt. Da ich eine Elektronikerlehre absolviert habe, kenne ich mich mit Elektronik ziemlich gut aus. Ich gebe den Mechanikern nun Anweisungen, was sie messen sollen. Es gelingt mir das Problem einzugrenzen und einen Wackelkontakt beim Stecker der Benzinpumpe zu identifizieren. Wenn wir den Stecker richtig halten, dann läuft die Pumpe. Hallelujah!

auch im Dunkeln wird im Team gemeinsam weitergearbeitet

Nun wird es mir klar. Die Benzinpumpe war wirklich defekt und musste ausgetauscht werden. Beim Aus- und Einbauen der Benzinpumpe ging jedoch zusätzlich noch der Stecker kaputt. Der Helikopter wird zwar vorschriftsgemäss und sauber gewartet, aber bei einem 40-jährigem Helikopter kann das halt durchaus vorkommen.

die defekte Benzinpumpe ist ausgebaut

Damit wir wieder fliegen können, muss der defekte Stecker repariert werden. Wie repariert man einen defekten Stecker im Busch? Wir haben keinen Ersatzstecker dabei… Obwohl es mittlerweile schon spätabends ist, arbeiten wir alle miteinander weiter. Wer kein Werkzeug in der Hand hat, hält eine Taschenlampe und sorgt dafür, dass genügend Licht unter dem Helikopter vorhanden ist. Dem Mechaniker gelingt es, den Stecker zu öffnen. Dieser ist allerdings gelötet. «Wie lötet man denn im Busch?», denke ich. Vor langer Zeit hat ein Pilot der Helimission ein Lötset für 24-Volt zusammengestellt. Wir finden diesen Lötkolben tatsächlich. Die beiden Mechaniker haben nur wenig Erfahrung mit Löten. In meiner Elektronikerzeit habe ich fast jeden Tag gelötet und ich kenne mich damit sehr gut aus. Ich schaue mir den Lötkolben und die Kabel an und bin der Meinung, dass das gehen müsste. Wir stecken die Kabel zusammen und ich schliesse den Lötkolben im Cockpit am Helikopter an. Ich bin mir ziemlich sicher, dass alles korrekt ist. Trotzdem wird es mir ein bisschen mulmig beim Gedanken, falls doch etwas schief geht und danach die Elektronik des Helikopters beschädigt wird. In diesem Fall hätten wir ein grösseres Problem…

unser Lötkolbenset

Ich gebe die Anweisung den Strom des Helikopters nun einzuschalten. Und siehe da, der Lötkolben wird wie gewünscht warm. Die Batterie des Helikopters macht das auch alles mit. Wir warten bis der Lötkolben richtig heiss ist. Da die Kabel zu kurz sind, müssen wir ihn dann ausstecken und möglichst schnell unter den Helikopter zum defekten Stecker rennen. Auch das klappt und so gelingt es mir, den defekten Stecker zu löten. Dass ich mal im Busch einen defekten Helikopter flicken werde, hätte ich nie geträumt. Aber es macht sehr viel Spass!

Die Mechaniker schliessen die Arbeiten ab. Ross ist zwar kein Mechaniker und trotzdem ist es ganz am Schluss Aufgabe des Piloten, alle ausgeführten Arbeiten zu kontrollieren.

Am Schluss muss das Benzin spätabends wieder eingefüllt werden

Wir machen nochmals einen Test und stellen alle zufrieden fest, dass die Benzinpumpe nun wieder sauber arbeitet. Der Helikopter ist wieder flugtauglich. Das ist eine grosse Erleichterung für uns alle. Da ich die Reparatur gesehen habe und sogar selber gelötet habe, mache ich mir keine Sorgen, wenn wir mit diesem Helikopter wieder in der Luft sind.

Obwohl es schon spät ist und nicht geplant war, dass wir für eine zweite Nacht in diesem Dorf sind, werden wir nochmals mit einer üppigen Mahlzeit versorgt. Müde, aber zufrieden, dass doch noch alles geklappt hat, richten wir unser Nachtlager ein und schlafen schnell ein. Für die Mechaniker ist die Nacht im Busch auch eine neue Erfahrung.