Einsatz im Busch mit der Helimission – Teil 3: Es geht los

Dies ist der dritte Teil der Serie von Martins Einsatz im Busch mit der Helimission in Januar.

Am Montagmorgen machen wir uns als ganze Familie auf zur Base der Helimission. Diese ist in einem Hangar auf dem internationalen Flughafen von Antananarivo. Direkt neben der Helimission hat die Mission Aviation Fellowship (MAF) ihren Hangar. Ross hat den Helikopter bereits vorbereitet. Bei unserem Eintreffen werden die Passagiere und ihr Gepäck gewogen. Er notiert alles fein säuberlich und rechnet aus, ob wir das Totalgewicht nicht übersteigen. Nach ein paar Instruktionen geht es auch bald los. Der Helikopter wird auf das Startfeld gerollt. Ich verabschiede mich von der Familie und nehme neben den Piloten Platz.

Ich bin noch nie mit einem Heli geflogen. Wie wird das Fliegen behagen? Was erwartet mich wohl im Busch? Ich habe keine Ahnung und es ist schwierig sich das alles vorzustellen. Ich freue mich aber riesig auf das Abenteuer und lasse mich gerne darauf ein. Angst habe ich keine.

Nachdem Ross die Starterlaubnis vom Flughafen erhalten hat, startet er die Motoren und wir fliegen schnell los. Es ist toll mit dem Heli über den Flugplatz zu fliegen und weiter aufzusteigen. Ich geniesse jede Minute in der Luft. Die Landschaft in Madagaskar ist sehr schön. Im Westen ist alles saftig grün. Die Landschaft ist hügelig und es hat immer wieder grössere oder kleinere Flüsse.

Nach ca. 30 Minuten Flugzeit erreichen wir das erste Dorf. Wir werden, wie später auch jedesmal, grossartig begrüsst. Danach gibt es Mittagessen und das Einsatzteam beginnt mit der Arbeit. Ich bete für die einzelnen Mitarbeiter, bevor sie mit der Arbeit beginnen.

An diesem Nachmittag helfe ich Setra beim Ziehen der Zähne. Meine Aufgabe ist es, die medizinischen Werkzeuge zu reinigen oder wenn nötig den Kopf des Patienten zu halten. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals als zahnmedizinischer Assistent arbeiten werde! Bei einem Missionseinsatz muss man halt flexibel sein und man erlebt immer mal wieder etwas Neues mit Gott.

Bei den ersten 10 Patienten kann ich fast nicht zusehen, wie die Zähne gezogen werden. Ich denke an den enormen Schmerz, welche die Patienten erfahren. Mir tut es beim Zusehen weh. Die Patienten erhalten eine lokale Betäubung und deshalb ist der Schmerz beim Ziehen ertragbar. Zudem ist das Schmerzempfinden dieser Leute anders als bei uns. Durch die minimale medizinische Versorgung sind sich diese Leute starke Schmerzen auch über längere Zeit gewohnt. Viele Patienten leben wegen abgestorbenen oder verfaulten Zähnen und entzündetem Zahnfleisch schon länger mit Starken Zahnschmerzen. Da ist dieser kurze heftige Schmerz beim Ziehen des Zahns ertragbar und schlussendlich auch eine Erlösung. Beim Eindunkeln stoppen Setra und Mbula die medizinische Arbeit.

Zum Nachtessen gibt es nochmals Reis mit Huhn und Früchte. Es ist schon dunkel und wir richten uns nach der Mahlzeit für die Nacht ein. Wir können zwar in einem Haus übernachten, aber Setra und ich haben ein kleines Zelt, Mätteli und Schlafsack mitgebracht. Das Zelt und der eigene Schlafsack schützen uns vor Ratten, Mücken, Flöhen und anderem Ungeziefer. Die Dorfbewohner haben noch nie ein Zelt gesehen und wundern sich sehr über unsere Art zu schlafen. Uns ist das egal und wir schlafen bald ein.

Camping im Haus

Zum Zmorge gibt es Kaffee und Tee. Die meisten von euch wissen ja, dass ich Kaffee nicht gerne habe. Trotzdem probiere ich. Der Kaffee im Busch ist etwas ganz anderes! Die Bohnen dafür kommen von den Kaffeebäumen im Dorf. Sie werden geröstet und danach der Kaffee zubereitet. Ich mag diese Art Kaffee und trinke ihn ab jetzt bei jeder Gelegenheit.

gemeinsamer Worship im Busch

Danach macht sich jeder wieder an die Arbeit. Ich helfe Setra und schaue bei einem Treffen bei Sedera vorbei. Im Laufe des Morgens kommt unser Pilot Ross vorbei und meint, dass sich unser Abflug heute vor dem Mittag allenfalls etwas verzögert. Etwas später schaue ich mal beim Helikopter vorbei. Ross erklärt mir, dass die Benzinpumpe nicht anspringt. Sie macht kein Wank und so kann der Motor nicht gestartet werden. Über das Satellitentelefon nimmt Ross Kontakt mit der Basis auf. Der Mechaniker auf der Basis gibt Ross über Telefon einige Anweisungen. Ich helfe Ross beim Helikopter und schaue mir das Problem auch an. Leider gelingt es uns nicht, die Pumpe zum Laufen zu bringen.

Unser Helikopter ist also defekt und wir sitzen im Busch fest!

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Einsatz im Busch mit der Helimission – Teil 2: Einsatz

Dies ist der zweite Teil der Serie von Martins Einsatz im Busch mit der Helimission in Januar.

Die Einsätze in den einzelnen Dörfern laufen immer gleich ab. Im Laufe des Morgens startet das Einsatzteam mit dem Helikopter und fliegt das neue Dorf an. Die Leute im Busch freuen sich riesig auf den Helikopter. Zu diesem Ereignis kommen auch viele Leute aus den umliegenden Dörfern. So sind bei der Landung mit dem Helikopter immer sehr viele Leute anwesend.

Die Landung eines Helikopters ist faszinierend. Das will niemand verpassen. Sobald der Motorenlärm des Helikopters leiser wird, beginnen die Leute zu singen. Das sind immer sehr freudige, christliche Lieder. Nach einigen Liedern begrüsst man sich. Die Begrüssung vom Team hat immer Sedera gemacht. Der Leiter der christlichen Gemeinde und der Dorfverantwortliche begrüssen das Team mit einigen Worten. Danach folgt eine kurze christliche Botschaft von einzelnen Teammitgliedern. Auch ich durfte zweimal vor dem versammelten Dorf eine kurze Rede halten. Da es keine Lautsprecher gibt und viele Leute da sind, muss man halt einfach so laut wie möglich reden.

freudiger Empfang bei der Ankunft mit dem Helikopter im Dorf

Am Schluss erklärt Sedera jeweils noch, wie die medizinische Hilfe genau abläuft und welche Treffen geplant sind. Da die Leute im Busch keine Uhren haben, erfolgen diese Treffen nicht um eine fixe Zeit. Man beginnt solche Treffen einfach und dann kommen die Leute nach und nach.

Nach der Begrüssung wird der Helikopter ausgeladen. Das Material wird von Helfern aus dem Dorf zu «unserem» Haus gebracht. Auf dem Weg zum Haus wird weiter gesungen und alle Leute laufen mit. Das ist dann eine Art Festumzug durch das Dorf. Besonders uns Weissen möchte jeder die Hand schütteln. Es ist schon etwas speziell, wenn einem so viele Leute so freudig begrüssen und jeder einem die Hand geben möchte, ohne dass man etwas getan hat.

In jedem Dort werden wir nach der Ankunft im Haus sofort mit Essen versorgt. Es wurde uns jedes Mal bestes Essen aufgetischt. Es gibt immer Reis und Huhn. Reis ist Grundnahrungsmittel und gibt es jeden Tag. Ein geschlachtetes Huhn gibt es nur bei ganz besonderen Anlässen. Die Reissorte und die Zubereitung des Huhns ändern immer ein bisschen. Zur Vorspeise und zum Dessert gibt es Früchte. Wir essen viel Banane und Ananas. Es gibt aber auch Litchi und einmal sogar Jackfruit (Jakobsfrucht). In einem Dorf gibt es zusätzlich noch Rüeblisalat. Zum Trinken gibt es immer heisses Reiswasser.
Diese Mahlzeit gibt es zum Zmorge, Zmittag und Znacht.

Obwohl die hygienischen Bedingungen und die Zubereitung im Busch sehr rudimentär sind, ist das Essen auch für uns gut vertragbar. Die Leute wissen, dass man die Esswaren gut kochen muss und achten sehr darauf. Ich habe immer von allem gegessen und hatte nie Probleme mit der Verdauung.

Nach dem Willkommensessen richten sich Setra und Mbula für medizinische Hilfe ein. Das Dorf muss hierfür einen geeigneten Ort und Stühle und Tische zur Verfügung stellen. Als Zahnarztstuhl reicht irgendeine Art von normalem Holzstuhl völlig aus. Wichtig ist einzig, dass der Stuhl eine Querleiste für die Füsse hat, damit der Zahnarzt dem Patienten nicht auf die Füsse steht 🙂

Die Leute, welche eine Behandlung wünschen, tragen sich auf einer Liste ein.

Mbula macht medizinische Konsultationen. Sie untersucht die Patienten und gibt mitgebrachte Medikamente ab. Eine Konsultation kostest 1’000 Ariary. Das entspricht ca. 28 Rappen, ist aber für die Leute im Busch doch ein grösserer Betrag. Die Leute sind Selbstversorger und haben daher nicht viele Möglichkeiten, um an Geld zu kommen.

Mbula behandelt einen Patienten

Setra zieht Zähne. Bevor er damit beginnt, erklärt er den Leuten ein paar Grundsätze zur Zahnhygiene. Vielen Leuten im Busch ist Zahnhygiene fremd. Die Zähne werden praktisch nicht gereinigt. Zahnbürsten und Zahnpasta gibt es da nicht. Wenn, dann reinigen die Leute die Zähne mit Kohle. Das ist durchaus eine gute Variante und funktioniert.

Den Patienten erklärt er die Bedingungen für eine Behandlung. Das Ziehen eines Zahns ist im Busch nicht unproblematisch und deshalb gibt es ein paar Bedingungen, an welche sich die Patienten strikt halten müssen.

Die Bedingungen sind folgendermassen:

  • Nach dem Ziehen eines Zahns, muss für 3 Tage strikte Ruhe eingehalten werden. Es darf keine Arbeit verrichtet werden und auch sonst keine Anstrengungen gemacht werden. Werden mehrere Zähne gezogen, verlängert sich die Ruhezeit.
  • Es dürfen für 3 Tage keine warmen Esswaren oder Getränke eingenommen werden.
  • Vor der Behandlung muss der Magen gefüllt sein.
  • Das Ziehen eines Zahns kostet 1’000 Ariary (ca. 28 Rappen).

Einsatz im Busch mit der Helimission – Teil 1: Vorbereitungen

Der Leiter von YWAM Land of Canaan geht zusammen mit einer anderen christlichen Organisation etwa einmal pro Monat auf Einsatz in abgelegene Dörfer im Busch. Diese Einsätze werden zusammen mit der Helimission durchgeführt.

Ich (Martin) verfolge die Arbeit der Helimission schon länger. Besonders die Berichte über die Arbeit im Busch haben mich immer wieder fasziniert. Ich habe ab und zu davon geträumt, das mal zu erleben. Ich wusste schon bei den Vorbereitungen für unseren Einsatz in Madagaskar, dass die Helimission eine Basis in Madagaskar hat. Da ich aber weder missionarische oder medizinische Erfahrung habe, habe ich nie einen Sinn gesehen, so einen Einsatz zu machen und daran teilzunehmen.

Etwas kurzfristig kam dann die Anfrage an mich, ob ich das Team beim Einsatz im Januar begleiten möchte. Silvana und ich haben es zusammen besprochen und waren der Meinung, dass dies möglich ist. So konnte ich für vier Tage vom 14. – 18. Januar mit der Helimission auf Einsatz in den Busch.

Es ist zwar schon eine Weile her, aber nun berichte ich in einer mehrteiligen Serie über diese Arbeit und meine Erlebnisse. Diese Berichte sind garantiert „Virusfrei“ und lenken hoffentlich ein bisschen von diesem ganzen Thema ab.

Ziel der Einsätze

Das Ziel dieser Einsätze ist geistliche und medizinische Hilfe in abgelegene Dörfer zu bringen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Kombination von geistlicher und medizinischer Hilfe am effektivsten ist.

Im Moment liegt der Schwerpunkt dieser Einsätze bei abgelegenen Dörfern im Osten von Madagaskar. Das Team geht in Dörfer, wo vor kurzem eine christliche Gemeinde gegründet wurde.

abgelegenes Dorf im Osten von Madagaskar

Die nächste Strasse ist meistens nur in einigen Tagesmärschen zu Fuss erreichbar. Es gibt dort keine Wasser- und Stromversorgung. Wasser nimmt man vom Fluss. Einige Leute haben Solarzellen und laden damit ein paar Lampen für die Nacht. Handyempfang gibt es an diesen Orten nur selten.

Unser Einsatzteam

Unser Einsatzteam besteht aus 5 Personen.

Ross: Er ist unser Pilot. Er plant im Voraus die Flüge und kümmert sich um alles was mit dem Helikopter zu tun hat.

Sedera: Er ist Pastor und für die geistigen Themen zuständig. Er ermutigt und unterstützt die lokalen Leiter und Kirchen im christlichen Glauben. Auf den Einsätzen holt er Feedback von den Gemeindeleitern ein und bespricht mit ihnen ihre aktuellen Herausforderungen. Er ermutigt sie und gibt Inputs zu Leiterschaft. Auch Predigten für alle Leute aus dem Dorf gehören zu seiner Tätigkeit.

Mbula: Sie ist ausgebildete Krankenschwester. Sie macht medizinische Behandlungen für die Leute in den Dörfern.

Setra: Er ist YWAM-Mitarbeiter und arbeitet auf den Einsätzen als Zahnarzt. Neben einer medizinischen Grundausbildung hat er über mehrere Jahre von einem Zahnarzt gelernt, wie man Zähne zieht.

Wichtig ist, dass die Einsätze gut vorbereitet sind. Die regionalen Leiter und Leiter der christlichen Gemeinde im Dorf müssen frühzeitig informiert werden. Sie sind auch verantwortlich, dass das Einsatzteam während dem Aufenthalt im Dorf gut versorgt wird. Es müssen Zimmer zum Essen und Schlafen bereit gemacht werden. Stühle, Tische und Betten sind an diesen Orten nicht selbstverständlich… Wir hatten bei unserem Einsatz immer saubere Zimmer in einem guten Gebäude und Betten. An einem Ort hatten die Betten sogar Schaumstoffmatratzen. Das Essen und Kochen muss von den Leuten im Dorf organisiert werden und manchmal muss auch das WC-Häuschen noch extra gebaut werden.

Natürlich werden auch die regionalen und lokalen Behörden über den Heliflug und die Art des Einsatzes informiert. Der Pilot muss auf der Karte anhand der verfügbaren Informationen das richtige Dorf finden. Das ist oft eine schwierige Aufgabe. Die Karten sind von schlechter Qualität, veraltet und es kommt immer wieder vor, dass es den gleichen Ortsnamen mehrmals gibt. Manchmal sogar ganz nahe beieinander. Sobald klar ist, wo die Dörfer sind, muss der Pilot Flugzeiten berechnen und vor allem die Tankstopps planen. Da es nur wenige Flughäfen mit Tankstellen hat, hat die Helimission einige eigene Tanklager in Madagaskar. Das macht die Flugplanung etwas einfacher.

Ein bewegtes Wochenende

Wir haben ein bewegtes Wochenende hinter uns.

Wir durften dieses Wochenende zusammen mit unserer Mitbewohnerin im Haus von ihren Verwandten im Busch verbringen. Sie haben ein einfaches Haus mit einem riesigen Garten dazu. Dieser Ort ist von hier aus mit dem Auto in ca. 90 Minuten erreichbar. Zuerst ging es über die Nationalstrasse und dann noch einige Kilometer über eine Dreckpiste. Die Landschaft ist wunderschön. Wir sahen Dinge, welche wir vorher noch nie gesehen haben. Zum Beispiel die „crying stones“. Aus diesen Steinen fliesst das ganze Jahr Wasser und es sieht so aus, als ob sie weinen würden.

Im Garten hinter dem Haus wachsen ganz viele Früchte und Gemüse. Wir durften ernten so viel wir wollten. Es fühlte sich an, wie im Garten Eden. Wir staunten über die Vielfalt! Da das Wetter viel besser als erwartet war, konnten wir viel Zeit draussen verbringen.

Wir pflückten viele Mandarinen, verschiedene Sorten Guavas und eine riesige Staude Bananen. Wir fanden auch Mais, Maniok (Cassava), Chili, grüne Bohnen und Sosetti (so spricht man es aus).
Wisst ihr wie Erdnüsse wachsen? Wir haben das dieses Wochenende gelernt. Jetzt sind wir dabei die Erdnüsse zu trocknen, bevor wir sie rösten.

Einige Kinder aus dem Dorf haben uns das ganze Wochenende begleitet, mit unseren Kindern gespielt und uns die Umgebung gezeigt.

Am Samstagvormittag staunten wir nicht schlecht, als die Polizei vorbeikam. Erst haben wir gar nicht so genau verstanden was los ist. Der Gendarme kam in zivil. Er wollte unsere Papiere sehen und wissen, wie lange wir schon in Madagaskar sind und wo wir wohnen. Erst nach einer Weile wurde uns deutlich, dass dies wegen dem Corona-Virus ist. Dieser ist nämlich seit Freitagabend offiziell in Madagaskar angekommen. Da sich einige Dorfbewohner Sorgen machten, als sie Europäer sahen, kam die Polizei zu uns, um dies genauer abzuklären. Martin musste mit unseren Passkopien auf den Polizeiposten. Unser Mitbewohnerin übersetzte für uns und erklärte wie lange wir bereits hier sind und was wir machen. Dem Polizeichef war die Angelegenheit auch unangenehm und er entschuldigte sich mehrmals, dass er uns so genau prüfen musste. Da wir belegen konnten, dass wir bereits seit Dezember hier sind, war es kein Problem und Martin durfte den Polizeiposten bald wieder verlassen. Die Polizei informierte dann die Verantwortlichen des Dorfes und teilte ihnen mit, dass alles in Ordnung ist. Es ist gut, dass die Leute hier wachsam sind und jeder seine Arbeit seriös macht.

Neben der schönen Zeit im Garten beim Ernten mussten wir uns dieses Wochenende aber auch viele Gedanken machen, wie es weitergehen soll für uns. Nachdem die Regierung die Landesgrenzen am Donnerstag für alle Ein- und Ausreisen gesperrt hat, konnte die Air France am Freitag- und Sonntagabend noch zwei Evakuierungsflüge für Europäer nach Paris anbieten. Dies ist wohl bis auf weiteres die letzte Chance auszureisen.

Wir haben uns viele Gedanken gemacht, mit vielen Einheimischen und Schweizern in Madagaskar gesprochen und als Familie gebetet. Es war keine einfache Entscheidung! Wir haben auch die Empfehlungen der Schweizer Botschaft in Madagaskar gelesen und uns in den lokalen Nachrichten so gut es geht über die Situation informiert. Wir sind zur Überzeugung gekommen, dass es richtig ist, noch hier zu bleiben. Wir denken, dass wir hier aktuell mehr helfen können als in der Schweiz. Zudem hätten wir die Ausreise unter höchstem Zeitdruck organisieren müssen. Es wäre ein sehr schwieriger Abschied gewesen.

Am Sonntag wurde bekannt, dass es weitere bestätigte Fälle von Corona in der Umgebung von Antananarivo gibt. Sofort wurden alle Bus- und Taxiverbindungen eingestellt und alle Märkte müssen ab sofort schliessen. Die vielen Epicerien (kleiner Laden) dürfen am Vormittag noch geöffnet haben, müssen aber am Mittag jeweils schliessen. Die Bevölkerung wird aufgefordert zu Hause zu bleiben und die Hände fleissig mit Seife zu waschen. Pro Familie darf nur noch eine Person aus dem Haus. Auf den Strassen werden Gesundheits-Checks gemacht und es gilt eine Ausgangssperre zwischen 20:00 und 05:00 Uhr.

Nach dem Bekanntwerden der Corona-Fälle gab es sofort ein grosser Anstrum auf Grundnahrungsmittel, Gas, Benzin und Medikamente. Viele Güter sind deshalb im Moment nur noch schwer erhältlich. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind bereits um bis zu 50 Prozent angestiegen. Dies wird für viele Familien hier zu grossen Problemen führen. Wir haben am Montag 50 kg Reis und etwas Vorrat an Salz und Zucker gekauft.

Wir haben drei Angestellte, welche bis anhin wöchentlich für uns gearbeitet haben. Diese Arbeit ist im Moment nicht mehr möglich und so fehlt diesen Familien das Einkommen.

Wir haben entschieden, dass wir ihnen weiterhin den Lohn zahlen wollen und sie jede Woche bei uns Reis, Zucker und Salz abholen dürfen. Wenn es möglich ist, zusätzliche Lebensmittel zu besorgen, werden wir diese ebenfalls verteilen.

50 kg Reis

Wir sind gespannt, wie sich die Lage hier weiterentwickeln wird. Bis anhin geht die Regierung davon aus, dass die Lage unter Kontrolle ist und wir in zwei Wochen wieder zum gewohnten Alltag zurückkehren können. Hoffen und beten wir, dass das so klappt!

Einiges los

Letzte Woche stand die Schulung von Days for Girls im Zentrum. Silvana war von Mittwoch bis Freitag damit beschäftigt. Martin hat in dieser Zeit für die Kinder gesorgt, das Homeschooling gemacht und den Haushalt im Schuss gehalten.

Bevor die beiden Frauen, welche die Schulung durchgeführt hatten, wieder abreisten konnte Silvana am Samstagmorgen mit ihnen noch ein Kinderheim hier in der Nähe besuchen. Sie durften dort von Days for Girls erzählen. Sie machen schon etwas ähnliches und sie sind an einer Schulung für die Mädchen an der Schule sehr interessiert. Silvana traf sich diese Woche nochmals mit den Verantwortlichen der Schule für die weitere Planung. Wegen dem Corona Virus ist sie jedoch nicht erlaubt an der Schulung teilzunehmen. Als Vorsichtsmassnahme wurden alle ausländischen Voluntäre per sofort nach Hause geschickt und nur noch Einheimische dürfen das Gelände betreten.

Input beim Treffen der Ehepaare

Am Samstagnachmittag waren wir beim Treffen der Ehepaare (Couple Ministry) bei YWAM Land of Canaan eingeladen. Wir gestalteten dort den Nachmittag. Wir erzählten von unseren Erlebnissen und wie wir die letzten Jahre als Familie mit Gott unterwegs waren. Die Ehepaare haben das sehr geschätzt und auch wir haben es genossen zusammen durch den Nachmittag zu führen.

Lauras Geburtstag

Am Dienstag war Lauras 11. Geburtstag. Am Morgen durfte Laura den Geburtstag in der Schule von Land of Canaan mit den Klassenkameraden feiern. Für den Nachmittag haben wir die Familie Schärer und unsere madagassischen Nachbarn und Mitbewohnerinnen eingeladen. Den Geburtstagskuchen haben wir bei einem Einheimischen bestellt. Leider musste er kurzfristig an eine Beerdigung und so hat es ihm nicht mehr gereicht den Kuchen herzustellen. In Afrika gibt es aber für alles immer eine Lösung. Laura durfte dann mit Papi in den Supermarkt fahren und dort die schönste und grösste Geburtstagstorte aussuchen. Das hat sie auch sehr genossen. Wir konnten Lauras Geburtstag bei schönstem Wetter draussen in unserem Garten feiern.

Rundflug mit der MAF

Am Mittwochmorgen konnten Silvana und Martin einen Rundflug mit der MAF machen. Die MAF ist eine christliche Organisation führt Flüge für Missionare und Pfarrer durch.

Martin hat im letzten Frühling an einem Wettberwerb in der Schweiz den ersten Preis gewonnen. Der Preis ist ein Rundflug mit einem MAF-Flugzeug. Der Flug in der Schweiz war im Herbst geplant. Leider musste dieser Flug dann wegen schlechtem Wetter abgesagt und auf Frühling 2020 verschoben werden. Wir hatten recht schnell Kontakt zum Leiter der MAF in Madagaskar (es ist ein Schweizer). Er klärte dann ab, ob dieser Rundflug auch in Madagaskar durchgeführt werden kann. Die Leitung aus der Schweiz gab grünes Licht und so durften wir einen Rundflug mit der MAF machen.

Es war wunderschön Madagaskar aus der Luft zu sehen. Die Reisfelder sind im Moment saftig grün. Die hügelige Landschaft, vielen Flüsse und Dörfer ergeben ein einmaliges Bild.

Im kleinen Flugzeug hatte es noch Platz für eine weitere Person. Da es schwierig war eines der Kinder für den Flug auszuwählen, haben wir uns entschieden eine Person in unserem Umfeld auszusuchen, welche noch nie eine solche Gelegenheit hatte. Wir haben uns für den Direktor der Schule bei Land of Canaan entschieden. Er ist in seinem Leben noch nie gefolgen und fühlte sich sehr geehrt, dass wir ihn mitnahmen.

Update zur aktuellen Lage

Die Nachrichten zum Corona Virus überschlagen sich weltweit. Auch hier in Madagaskar bekommen wir mit, was in Europa und der Schweiz los ist. Das ist eine völlig neue Situation für alle und scheint grosse Ängste und Fragen auszulösen.

In Madagaskar gibt es weiterhin keine bestätigten Fälle von Corona. Der Alltag geht hier seinen gewohnten Gang. Alle fahren immer noch dicht gedrängt im Bus, in der Schule finden die Abschlussprüfungen statt und alle Geschäfte sind geöffnet.
Einzig am Flughafen hat man verschiedene Massnahmen ergriffen. Die einreisenden Passagiere werden geprüft und bei Verdacht auf Corona in ein Spital in der Nähe von uns unter Quarantäne gestellt.
Eine gewisse Angst ist auch hier bei der Bevölkerung spürbar.

Die Regierung von Madagaskar hat am Samstag entschieden, dass Flüge zwischen Madagaskar und Europa verboten werden. Diese Regelung gilt bereits seit Sonntag. Bis am Donnerstag dieser Woche können Ausländer noch nach Europa ausreisen. Danach sind Reisen zwischen Europa und Madagaskar während 30 Tage nicht mehr erlaubt.

Wir mussten uns Gedanken machen, ob wir sofort ausreisen möchten. Wenn wir bleiben, besteht das Risiko, dass wir allenfalls nicht pünktlich am 21. April abfliegen können. Ein frühere Rückkehr ist dann nicht mehr möglich.

Wir haben als Familie gebetet und mit verschiedenen Schweizer Familien hier in Madagaskar gesprochen. Wir haben entschieden, dass wir – wie ursprünglich geplant – hier bleiben und abwarten, wie sich die Lage entwickelt.

Mehrere Gründe haben zu diesem Entscheid geführt:
Erstens ist das Leben in der Schweiz zur Zeit nicht einfacher als hier. Die Versorgung ist gut und das Home Schooling eingespielt.
Zweitens ist es uns hier wohl und sind wir noch mit verschiedenen Projekten beschäftigt.
Drittens ist unser Haus in der Schweiz noch bis Mitte April vermietet.

Die Hygienemassnahmen nehmen wir sowieso schon länger sehr ernst und wir informieren uns von Zeit zu Zeit über die neusten Entwicklungen zum Thema Corona.

Wir möchten uns rücksichtsvoll und überlegt verhalten, uns aber nicht von der Angst leiten lassen. Wir vertrauen darauf, dass Gott uns führt und leitet und für uns sorgt.
Psalm 91 hilft uns dabei!

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Psalm 91, 11

Wie geht ihr in der Schweiz mit dieser ausserordentlichen Lage um? Schreibt uns.

Rückblick Days for Girls Schulung

Ich blicke auf einen gelungenen „Ambassador of Womans Health“ Kurs zurück!
Danke allen, die in an uns gedacht haben und für alle Spenden für dieses Projekt!

Die Referentinnen sind nach einer 27-stündigen Reise mit Sack und Pack gut bei uns im Kings Kids House angekommen. Wir haben unsere kleine Stube zu einem Schlafzimmer umfunktioniert und so konnten sie sich nach der Reise erst etwas erholen. Da sie so früh ankamen, konnten wir den Nachmittag nutzen, um die finanziellen Dinge zu organisieren.

Am Donnerstagmorgen haben wir die 100 Bindenset in die 50 Stoffsäcke abgepackt, welche eine Frau von hier für mich genäht hat. Für jede Kursteilnehmerin gab es als Geschenk zwei Binden mit 8 Einlagen, einem wasserdichten Etui und einem schönen Stoffbeutel dazu. Es hat Spass gemacht, diese liebevoll und sehr präzise genähten Sets zusammenzustellen.

Kurz vor Mittag sind wir zu Land of Canaan gegangen, um den Raum einzurichten. Für die vielen Teilnehmer mussten vorgängig Stühle von verschiedenen Orten organisiert werden.

Mit etwas Verspätung konnten wir den Kurs um 13:30 Uhr mit 21 Teilnehmerinnen beginnen. Die Referentinnen haben mit viel Begeisterung und sehr lebendig über Hygiene, die weiblichen und die männlichen Geschlechtsteile, den weiblichen Zyklus und die Entstehung von Babys unterrichtet. Dazu haben sie gutes Bildmaterial in madagassischer Sprache mitgebracht.

Als es dann um die Binden und ihre Handhabung ging, haben sie das ganz praktisch vorgeführt. Es war sehr unterhaltsam und kurzweilig ihnen zuzuhören (sogar für mich, obwohl ich kein madagassisch verstehe). Anhand von Bibelstellen haben sie erklärt, wie wunderbar jede von uns geschaffen wurde und was für ein Wunder es ist, dass unser Zyklus so gut funktioniert. Wir sind einzigartig und kostbar geschaffen und sollen unseren Körper deshalb auch mit Sorgfalt und Wertschätzung behandeln. Dazu gehört auch, dass wir uns nicht einfach an den Erstbesten verschenken sollen und das Recht haben „Nein“ zu sagen, wenn wir etwas nicht wollen. Gerade in einer Kultur, in der alles geteilt wird, ist es umso wichtiger zu sagen, dass man seinen Körper mit niemandem teilen muss, wenn man das nicht will.

Die Teilnehmerinnen hörten mit grossem Interesse zu und stellten auch viele Fragen. Unter anderem kam auch die Frage nach Menstruationstassen auf. Da ich meine beiden mit nach Madagaskar genommen habe, konnte ich diese am Freitag zeigen und erklären. Viele der Teilnehmerinnen können sich gar nicht vorstellen so etwas zu benutzen oder Mädchen in der Handhabung zu unterrichten. Die Binden sind da einfacher. Eine andere Frage war, wie man jetzt weiter vorgehen sollte, wenn man Mädchen in diesen Themen unterrichten möchte. Diese Frage haben wir mit nach Hause genommen und dort konkrete nächste Schritte für die Frauen zusammengestellt. Am Freitag konnten wir ihnen konkrete Vorschläge vorlegen, wie man so eine Arbeit starten könnte.

Besprechung der nächsten Schritte im Team

Am Freitag konnten wir Teilnehmer nicht mehr nur entspannt zuhören, sondern mussten selber aktiv werden. Wir bekamen die Schulungsbögen und hatten in Gruppen 20 Minuten Zeit das Gehörte von gestern nochmal zu repetieren. Anschliessend musste jede von uns ein paar Seiten präsentieren. Ich war beeindruckt, wie viel die Frauen noch wussten und wie selbstbewusst einige vor dem Publikum standen.

Vorbereitung für die eigene Präsentation

Am Schluss des Kurses gab es für jede Teilnehmerin ein Zertifikat und das Bindenset. Sie haben sich riesig gefreut!

Ich fand es in den letzten Monaten nicht immer einfach, dass wir hier mit ganz vielen verschiedenen Organisationen zusammenarbeiten. Es hat lange gedauert, sich einen Überblick über alle verschiedenen Zweige von YWAM zu verschaffen und es war nicht so einfach, sich da nicht zu verzetteln. Für diese Schulung kam mir das aber wieder zugute! Viele dieser kleineren Organisationen haben eine bis zwei Frauen geschickt und so konnten wir das Wissen von Days for Girls an vielen Orten verbreiten.

Nach dem Kurs fuhren wir noch bei einem Kinderheim der anglikanischen Kirche vorbei, um die Arbeit von Days for Girls vorzustellen. Sie waren sehr interessiert und hätten gerne bald eine Schulung während dem Unterricht.

Am Samstagvormittag sind wir noch beim Kinderheim hier in Ambohidratrimo vorbeigegangen. Sie nähen dort auch waschbare Binden. Wir wollten gerne sehen, wie diese aussehen und fragen, ob sie auch Schulungen anbieten. Wir wurden freundlich empfangen. Die verantwortlichen für die Arbeit mit den Mädchen meinten dann, sie hätten auch Binden, seien aber noch nicht so zufrieden mit der Wahl der verwendeten Materialien. Schulung gebe es bei ihnen bis jetzt nicht. Sie haben uns gebeten am Montag nochmal vorbeizukommen, um zu planen, wann wir im Schulunterricht über das Thema Hygiene und den weiblichen Zyklus lehren können.

Es ist unglaublich, wie schnell die Anfragen jetzt reinkommen. Wir wurden schon von Schulen und von einer Organisation, welche im Busch arbeitet, gefragt, ob wir Schulungen anbieten können. In den nächsten Tagen müssen wir einen Plan erarbeiten, wie wir weiter vorgehen wollen. COVID-19 macht das ganze etwas kompliziert. Offiziell sind weltweit alle Aktivitäten von Days for Girls gestoppt. Hier in Madagaskar gibt es aber im Land noch keine Einschränkungen und der Unterricht an den Schulen findet planmässig statt.

Zwischen August und Oktober kann man neue Unternehmen, welche Binden nähen, bei Days for Girls international anmelden. Ich hoffe, dass wir bis dahin genügend Frauen finden, welche bereit sind, so eine Firma zu starten. Frauen welche bereits nähen können und gerne lernen würden wie man Binden näht, habe ich bereits genügend gefunden.

Dank euren Spenden haben wir jetzt noch etwas Geld übrig, welches wir entweder ins Startup für die Firma oder in zusätzliche Binden für all die Präsentationen investieren können. Vielen Dank!

Infektionskrankheiten

Wie schon mehrfach beschrieben, sind die Hygienebedinungen in Madagaskar schwierig. Einerseits macht die Regierung sehr wenig, um die Situation für die Leute zu verbessern. Andererseits leidet die Hygiene durch die limitierten finanziellen Möglichkeiten. Daraus entstehen dann verschiedene Probleme:

  • schwierige Wassersituation (kein fliessendes und sauberes Wasser, kein Warmasser)
  • schlechte Hausinfrastrukur (schlechtes Licht, Feuchtigkeit, Ungeziefer)
  • kein heisses Wasser zum Abwaschen und Kleider waschen
  • fehlendes Reinigungsmaterial (schlechte Lumpen, …) und Reinigungsmittel
  • (Haus-) Tiere im und ums Haus (Hunde, Hühner, Schweine, …)
  • mangelndes Wissen über Hygiene
  • kein Geld für Doktor, Spital und Medikamente (viele Krankheiten werden nicht richtig behandelt)

Durch die eingeschränkte Hygiene und Lebensbedingungen können sich Krankheiten natürlich auch sehr schnell und einfach ausbreiten.

Wir waren die ersten drei Monate immer wieder heftig krank. Am meisten verbreitet sind grippeähnliche Krankheiten. Mittlerweile ist das viel besser. Wir waren schon länger nicht mehr richtig krank. Viele Einheimische, mit denen wir fast täglich zusammen sind, sind aber immer wieder krank.

Um uns so gut wie möglich zu schützen, machen wir folgendes:

  • Wenn wir das Haus verlassen, ist immer ein kleines Desinfektionsmittel dabei. Nach dem Besuch eines öffentlichen Plumpsklos, wenn vielen Leuten die Hand gegeben wurde und bevor etwas gegessen wird, werden die Hände der ganzen Familie immer desinfiziert.
  • Wasser und Getränke gibt es nur aus gekauften Flaschen oder wenn wir wissen, dass das Wasser abgekocht wurde.
  • sämtliche Früchte und Gemüse werden nach dem Einkauf mit einem speziellen Reinigungsmittel gewaschen. Es gilt der Grundsatz: wash it, cook it, peel it or leave it (waschen, schälen oder kochen, ansonsten die Finger davon lassen).
  • Auf längere Reisen nehmen wir immer das Reinigungsmittel, Wasser und eine Schüssel oder Pfanne mit. So können wir auch unterwegs alle Früchte von der Strasse kaufen und selber reinigen.
  • Da in unserem Haus regelmässig Soup Kitchen stattfindet und viele Kinder aus einfachten Verhältnissen da sind, haben wir unsere eigenen Handtücher, Abwaschtücher und Tischlumpen. Wir haben zudem die Möglichkeit, einmal pro Woche in der Waschmaschine bei 60 Grad zu waschen.
  • Das Geschirr spülen wir mit Shavelwasser nach.
immer und überall mit dabei: kleine Flasche Desinfektionsmittel
links: grosse Flasche Desinfektionsmittel für zu Hause (PS: nach drei Monaten ist die Flasche immer noch zu 2/3 voll, man braucht nicht so viel…)
rechts: immer mit dabei auf längeren Reisen – Pfanne und spezielles Reinigungsmittel für Früchte und Gemüse

Natürlich haben wir auch vom Corona-Virus gehört und dass dieser schon vor einiger Zeit in der Schweiz angekommen ist. Viele der Massnahmen, welche nun in der Schweiz ergriffen werden, sind bei uns schon länger Alltag.

Uns nimmt sehr Wunder, welche zusätzlichen Hygienemassnahmen ihr persönlich ergriffen habt? Teilt uns dies doch in den Kommentaren zu diesem Beitrag mit. Wir sind gespannt!

Soviel man weiss, ist der Corona-Virus noch nicht in Madagaskar angekommen. Man nimmt das hier aber durchaus ernst. Am Flughafen sind Plakate zum richtigen Verhalten aufgestellt. Immer mehr Mitarbeiter dort tragen Mundschutz.
Heute musste Silvana vor dem Betreten der Bank die Hände desinfizieren. Ein Sicherheitsmann kontrolliert das genaustens. Die Schalterangestellten trugen alle Mundschutzmasken. Das ist eine neue Massnahme, welche wir vorher noch nie gesehen haben.

Unsere Mitbewohnerin hatte gestern eine Freundin zu Besuch. Diese Frau arbeitet im nahegelegenen Spital, wo auch Laura schon war. Sämtliche Corona-Verdachtsfälle in Madagaskar werden dort behandelt. Personen mit Anzeichen für Corona müssen 14 Tage im Spital in Quarantäne bleiben. Die Frau ist in diesem Spital für die Quarantäne verantworlich. Sie sagte uns, dass bisher etwas mehr als 30 Personen in Quarantäne waren. Das waren bisher alles aus dem Ausland eingereiste Personen. Im Moment sind gerade 12 Personen, welche aus China eingereist sind, in Quarantäne. Da die Leute in Quarantäne nicht selber für die Mahlzeiten sorgen können, werden ihnen die Mahlzeiten gebracht. Das ist nicht üblich hier.
Die Kosten im Zusammenhang mit dem Corona-Virus werden nach Angaben der Gesundheitsbehörde von der Regierung übernommen.
Bis heute wurde jedoch bei keiner einzigen Person Corona nachgewiesen.

Schulung Days for Girls

Ein Traum von Silvana ist es, hier in Madagaskar eine Schulung von Days for Girls durchzuführen.

Schon vor zwei oder drei Jahren, hat sie an der Generalversammlung vom Frauenverein über die Arbeit von Days for Girls gehört. Damals kamen zwei Frauen und haben dieses Projekt vorgestellt. Die Mädchen und Frauen werden mit waschbaren Binden ausgestattet, damit sie trotz Menstruation am normalen Leben und Schulalltag teilnehmen können. Diese Binden werden mit viel Sorgfalt und besonderem Material, wenn immer möglich, im Land selber hergestellt. Das Nähen von diesen Binden schafft Arbeitsplätze und generiert so ein Einkommen für Frauen.
Die Binden werden immer zusammen mit vielen wertvollen Infos an die Mädchen und Frauen weitergegeben.

Unter anderem werden folgende Themen angeschnitten:

  • Hygiene: Wie wasche ich richtig die Hände
  • Wie pflege ich die Binden richtig
  • Selbstverteidigung: Wie kann ich mich wehren, wenn ich körperlich oder sexuell bedrängt werde
  • Wie funktioniert der weibliche Zyklus
  • Anatomie von Frauen und Männern
  • Wie entsteht ein Baby
  • Wie schütze ich mich vor Geschlechtskrankheiten

Unsere Mitbewohnerin Narindra war von Anfang an sehr begeistert über die Infos und Möglichkeiten von Days for Girls. Auch bei Land of Canaan stiess das Thema auf offene Ohren. So begannen Silvana und Narindra eine Schulung zu organisieren. 
Am Donnerstag und Freitag 12./13. März findet die erste Days for Girls Schulung hier in Ambohidratrimo auf madagassisch statt. Die Schulung ist auf grosses Interesse gestossen und wir freuen uns, dass sich 23 Frauen angemeldet haben.

Zwei Frauen, welche schon länger solche Schulungen anbieten und auch Binden nähen, kommen extra von der Westküste zu uns, um bei uns die Schulung durchzuführen.
Das Schulungsmaterial wurde schon vor einiger Zeit auf madagassisch übersetzt und so können wir den Kurs in der Landessprache anbieten.

Diese Woche liegt unser Fokus darauf, Frauen mit dem Wissen und Material von Days for Girls auszustatten, damit sie anschliessend dieses Wissen in ihren Einsatzbereichen an andere weitergeben können. In einem zweiten Schritt wollen Silvana und Narindra eine kürzere Schulung für Strassenkinder und auch für die Schulkinder hier in der Nähe anbieten und weitere Bindensets verteilen. 

Schon bevor wir die Schweiz verlassen haben, hat Silvana mit diversen Leuten über die Idee dieses Projekt gesprochen und von ein paar Frauen Geld für die Umsetzung bekommen. Viele Dinge sind hier in Madagaskar um einiges günstiger als in der Schweiz. Trotzdem summieren sich die Ausgaben. Wenn sich jemand vorstellen kann, dieses Projekt konkret zu unterstützen, sind wir sehr dankbar für Spenden.

Hier ist eine (mehr oder weniger vollständige) Zusammenstellung der Kosten:

  • Ausdrucken der Flyer und Einladungen: CHF 6.-
  • Ausdrucken der Unterlagen für Silvana: CHF 12.-
  • Ausdrucken der Präsentationen und Mappen: CHF 14.-
  • Ausdrucken der Unterlagen für Schulungsteilnehmer: CHF 54.-
  • Reise und Verpflegung für 2 Referentinnen: CHF 37.-
  • Lohn für 2 Referentinnen für 7 Tage: CHF 33.-
  • 50 Stoffsäcke: CHF 27.-
  • 100 Binden: CHF 311.-
  • Raummiete für 2 Tage Schulung: CHF 27.-

Das gibt ein Ausgabentotal von CHF 521.-.
Die Beiträge der Teilnehmerinnen belaufen sich auf 210’000 Ariary (CHF 57.-).
Drei Teilnehmerinnen können nicht die vollen Kurskosten bezahlen. Sie haben uns angeboten beim Vorbereiten und Aufräumen des Raumes zu helfen.

Uns ist es wichtig, die Frauen hier mit allem nötigen Material auszustatten, damit sie auch ohne uns zukünftig Binden mit den nötigen Infos verteilen können. Um dies zu ermöglichen, haben wir die Schulungsunterlagen für jede Frau ausgedruckt, Präsentationsmappen in englisch und madagassisch zusammengestellt und 100 Binden nähen lassen.

Wir haben uns entschieden, den Kurs relativ günstig anzubieten und jeder Frau ein vollständiges Bindenset zu schenken. So können sie damit eigene Erfahrungen sammeln. Wenn sie selber von der Nützlichkeit von diesen Binden überzeugt sind, können sie auch andere Frauen dafür begeistern. Der Kurs kostet 10’000 Ariary. Das entspricht etwa 2.60 Schweizerfranken. Das tönt für uns zwar nach wenig Geld. Wenn man aber bedenkt, dass 10’000 Ariary hier ein durchschnittlicher Tageslohn ist, ist für die Leute hier doch sehr viel Geld. 

Vieles ist bereits organisiert und liegt bereit für den Kursstart am Donnerstag. Heute werden die Unterlagen gedruckt, welche morgen geliefert werden. Die beiden Referentinnen werden bei uns im Haus übernachten. Jetzt geht es noch darum, Bettzeug und Essen für sie zu organisieren. Wir beten, dass die zweitägige Reise für sie mit dem Taxi Brousse ohne Zwischenfälle möglich ist und sie am Mittwoch pünktlich bei uns eintreffen werden.

Stoffsäcke und Bindenset liegen bereit

Wenn dir dieses Projekt ein Anliegen ist, dann sind wir dankbar, wenn du uns im Gebet untersützt. Im Moment steht vor allem die Schulung von Donnerstag und Freitag im Fokus.

Wenn du dieses Projekt finanziell untersützen möchtest, dann kannst du das folgendermassen machen:
IBAN: CH26 0021 4214 4147 8540 L
Bank: UBS Schweiz AG
lautend auf:
M. & S. Schelldorfer-Lüssi
Geissbergstrasse 48
8633 Wolfhausen

Vermerk: Missionseinsatz „Days for Girls“


Verwende Twint und unsere Handynummer, um uns zu unterstützen.



Nach dem Kurs werden wir hier einen kurzen Rückblick posten. 

Das gefällt mir in Madagaskar und in der Schweiz

Irina und Elio haben heute im Home Schooling beschrieben was ihnen in Madagaskar und in der Schweiz gefällt.

Elios

Elio hat ein Plakat zu beiden Ländern erstellt. Er macht hier sehr motiviert und intensiv Schule. Er übt fleissig und will alles können. Er kann mittlerweile lesen, rechnen bis 20 und Wörter schreiben. Das allermeiste auf dem Plakat hat er selber geschrieben. Bei einigen Wörtern hat er nachgefragt.

Elios Plakat

Irina

Irina hat einen Text auf dem Computer geschrieben. Diesen haben wir zusammen korrigiert.

Irinas Text auf dem Computer

Herausforderungen in Madagaskar

In der NZZ ist kürzlich ein sehr fundierter Bericht über die Herausforderungen in Madagaskar erschienen. Er zeigt die Probleme dahinter und Zusammenhänge sehr gut auf.

Wir waren zwar selber nicht in dieser Gegend. Vieles davon haben wir aber selber auch gesehen und können wir so bestätigen.

Artikel in der NZZ: https://www.nzz.ch/international/kopie-von-kahlschlag-im-garten-eden-ld.1542341