Tropisches Tief

Wie gewohnt hat unsere Waschfrau am Montagmorgen unsere Wäsche gewaschen und danach zum Trocknen aufgehängt. Nach dem Mittag sezte dann Regen ein. Da wir zu wenig schnell waren und der Regen heftig war, wurde unsere Wäsche nochmals richtig durchgespült.

Ab Montagmittag hatten wir bis am Donnerstagmorgen praktisch Tag und Nacht starken Dauerregen. Bei diesem Wetter hatten wir keine Chance die Wäsche trocken zu bringen. Wir nahmen dann das Angebot einer Schweizerfamilie mit Waschmaschine und Tumbler am Mittwoch gerne an, um unsere mittlerweile muffige Wäsche nochmals zu Waschen und zu trocknen. Wir sind also wirklich gut umsorgt hier 🙂

So viel Regen ist für alle Leute sehr streng. Es macht den Alltag sehr viel aufwändiger und es ist eine Herausforderung, wenn alles nass ist. Bei vielen Häusern hier ist es auch innen feucht und nasse Kleider trocknen kaum. Zeitweise betrug die Luftfeuchtigkeit sogar in soliden Häusern 80%. Auch in der Schule waren viele Kinder sehr müde oder krank. Die Schulleitung hat dann am Donnerstag entschieden, dass die Schule am Freitag ausfällt. Die Lehrer haben den Tag für Sitzungen genutzt.

Der Grund für den mehrtägigen Dauerregen war ein Tropisches Tief, welches über Madagaskar fegte. Dieses hat am Sonntagnachmittag die Westküste erreicht und ist dann quer über die Insel nach Osten gezogen. Das Zentrum des Tiefs war weiter nördlich von uns und wir waren nur am Rande betroffen.

Der Weg des Tropensturms über Madagaskar

Das Tief hat an vielen Orten für grosse Überschwemmungen gesorgt. Viele Häuser wurden beschädigt und auf vielen Reisfeldern wurde die reife Ernte zerstört. Die Medien berichten von über 40’000 Obdachlosen und mehr als 20 Toten. Die Überschwemmungen werden die Häuser noch weiter beschädigen und auch unter dem Ernteausfall werden viele Leute noch lange zu leiden haben. Reis vom eigenen Feld ist für viele Familien das Hauptnahrungsmittel für das ganze Jahr.

Immerhin hat sich der Sturm erst auf dem Indischen Ozean zu einem richtigen Zyklon entwickelt. Aktuell ist der Sturm als Zyklon DIANE im Meer unterwegs.

Antananarivo liegt auf über 1’200 Meter und war nur am Rande von diesem Tief betroffen. Die Überschwemmungen und Schäden halten sich hier Gott sei Dank in Grenzen. Unser Haus war erstaunlich dicht und die Strom- und Wasserversorgung hat bei uns zuverlässig funktioniert.

Basic Life Skills

Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie verschieden das Leben hier in Madagakar ist, wenn man es mit der Schweiz vergleicht. Auf vieles konnten wir uns dank unserer Zeit in Südafrika schon etwas vorbereiten.

Das Waschen der Wäsche war in Südafrika eine grosse Herausforderung. Dort gab es zwar eine Waschmaschine, die war aber entweder besetzt, kaputt oder es gab kein Wasser oder Strom.
Hier besitzen wir gar keine Waschmaschine. Waschen braucht deshalb sehr viel Zeit, weil alles zuerst in Seifenwasser eingelegt, von Hand geschrubbt und dann sorgfälltig ausgewaschen wird. Wenn wir fliessendes Wasser haben, ist es noch etwas einfacher, als wenn wir alles Wasser von den Regenfässern holen müssen. Schon ganz am Anfang unserer Zeit hier hat uns jemand seine Hilfe beim Waschen angeboten. Fitiavana wäscht einmal pro Woche unsere Wäsche. Unsere Kinder finden, sie macht das besser als Mami… Wir bezahlen ihr für ihre Arbeit einen fairen Lohn.

Wie schon erwähnt, sind wir hier häufig krank. Das gehört hier wohl einfach dazu. Viele Ausländer erzählen, dass sie im ersten Jahr viel krank waren. Auch die Einheimischen sind für unser Gefühl öfter krank, als wir es in der Schweiz sind. Teilweise ist das sicher auch auf eingeschränkte Hygiene zurückzuführen.
In der Schule lehren sie die Kinder, wie man richtig die Hände wäscht oder wie man auf persönliche Hygiene achtet. Dies scheint uns in Europa etwas selbstverständliches zu sein. Ohne warmes Wasser und wenn die Handtücher nur kalt gewaschen werden, ist es halz auch deutlich schwieriger. Viele Familen haben nicht einmal fliessendes Wasser, ein WC oder Badezimmer im Haus. Alles Wasser muss in Kanistern oder Flaschen beim öffentlichen Wasserhahn geholt werden. Unsere leeren Petflaschen von unserem Trinkwasser sind deshalb hier heiss begehrt!
Wenn das Wasser aus irgendeinem Grund abgestellt wird, kommt auch beim öffentlichen Wasserhahn kein Wasser mehr.
Mit diesem Hintergrundwissen wird einem plötzlich klar, dass es eben doch nicht selbstverständlich ist, dass man nach jedem WC-Besuch die Hände mit Seife waschen kann. Dies führen wir uns immer mal wieder vor Augen, wenn es uns schwer fällt mit kaltem Wasser zu duschen.

WC ist ein grosses Thema hier. In vielen öffentlichen Gebäude sind die WCs noch Plumpsklos, wo man sich einfach über ein Loch hockt. Im Busch, wo Martin letzte Woche war, gibt es zwar manchmal ein WC-Häuschen, dieses wird aber nur von den Missionaren benutzt. Die Einheimischen finden es unlogisch, dass man ein Haus baut und alle ihre Notdurft an einem Ort erledigen, wo man das doch genau so gut irgendwo hinter einem Busch erledigen kann.

Die kleine Hütte oben links ist das WC-Häuschen, welches die Einheimischen im Busch extra für unseren Besuch gebaut haben.

In der Stadt ist es keine Seltenheit, dass man ein Kind am Strassenrand kauern sieht, um seine Notdurft zu erledigen. Was bleibt ihm auch anderes übrig, wenn es den ganzen Tag mit den Eltern am Stand verbringen muss, um mit dem Verkaufen von ein bisschen Gemüse und Früchten Geld zu verdienen. Auch Bäche und Seen werden als Toilette benutzt. Da spielt es keine Rolle, dass gleich nebenan jemand sein Motorrad oder die Kleider wäscht, während ein paar Meter weiter jemand am Fischen ist.

Es gibt aber auch Dinge, welche wir hier von den Madagassen lernen können. Was macht man zum Beispiel, wenn man überraschend ein Huhn geschenkt bekommt und keinen Hühnerstall oder Hüherfutter hat? Eine Schnur um das Bein des Tieres binden und es am nächsten Baum befestigen 🙂 So macht man das hier.

unser Güggel Fanomezana darf an die frische Luft
unser Güggel in unserem Garten sauber angebunden

In ein paar Wochen wird sich uns die Frage stellen: wie schlachtet man ein Huhn und bereitet es zu? Wie viele Leute in Europa können das noch? Auch wenn wir noch nicht so sicher sind, ob unsere Kinder Fanomezana essen werden, nachdem sie ein paar Wochen für ihn gesorgt und mit ihm gespielt haben…

Wenn man keine eigenen Hühner hat, kauft man das Fleisch hier auf dem lokalen Markt. Die Tagestemperaturen sind hier im Sommer durchschnittlich bei etwa 25 Grad. Das Fleisch hängt offen an Haken oder liegt auf Decken auf dem Boden bis es verkauft wird. Aus diesem Grund macht es auch Sinn, dass der lokale Markt eben schon sehr früh vor Sonnenaufgang beginnt. Da ist es noch weniger heiss und die Sonne brennt noch nicht auf die Esswaren. Madagassen hier raten uns deshalb dringend, das Fleisch früh morgens zu kaufen oder eben gleich ein lebendes Huhn zu kaufen. So weiss man, dass die Qualität frisch ist. Im Supermarkt kann man auch abgepacktes Fleisch kaufen. Dies scheint uns Europäern hygienischer, als das offene Fleisch vom Markt. Wenn man jedoch bedenkt, wie zuverlässig hier die Stromversorgung ist, ist es fragwürdig, ob die Kühlkette zuverlässig eingehalten wurde.
In der traditionellen Madagassischen Küche wird vieles noch selbst frisch zubereitet. Lebensmittel werden selten schon verarbeitet gekocht. Bei vielen dieser Lebensmittel wissen Europäer gar nicht mehr, wie man sie zubereitet und wie lange es dauert sie zu kochen. Auch bei den Gewürzen fällt es uns gar nicht so einfach mit den wenigen Gewürzen hier das Essen schmackhaft zu würzen. Wir sind mit den ganzen Gewürzmischungen schon sehr verwöhnt. Die Madagassen beherrschen diese Kunst sehr gut und würzen mit Zwiebeln, Ingwer und frischen Kräutern vom Markt.

Zu einem traditionellen Essen mit Reis gehört hier in Mada auch das Reiswasser. Dieses wird heiss zu den Mahlzeiten getrunken. Es ist etwas gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber durchaus gut. Die Zubereitung ist einfach. Wasser welches vom Reis kochen übrig bleibt, wird mit dem Reis, welcher in der Pfanne am Boden kleben geblieben ist aufgekocht und fertig ist das Getränk. Da hier Wasser oft knapp und nicht immer keimfrei ist, macht es durchaus Sinn sorgfälltig mit dem Wasser umzugehen und es gekocht zu trinken. Reiswasser kann man deshalb im ganzen Land immer unbesorgt trinken.

sicher gelandet

Heute Mittag ist Martin mit dem Helikopter der Helimssion wieder sicher auf dem Flughafen von Antananarivo gelandet.

Es war eine eindrückliche Erfahrung mit einem Prediger, einem Zahnarzt, einer Krankenschwester und dem Piloten vier Tage in abgelegenen Dörfern zu sein und zu sehen wie die Leute dort leben.

Die Leute waren extrem froh für die geistliche und gesundheitliche Hilfe, welche sie durch das Team erhalten durften. Sie haben uns immer sehr freudig empfangen und dann liebevoll für uns gesorgt. Wir durften jeweils in einem der besten Häuser im Dorf übernachten und erhielten bestes einheimisches Essen. Über diese Erlebnisse werden wir in ein paar Tagen noch einen separaten Beitrag verfassen.

Silvana hat während der Abwesenheit von Martin „zu Hause“ Home Schooling und Ausflüge gemacht, auf der Base gearbeitet, den Wocheneinkauf erledigt, gekocht und dafür gesorgt, dass im Haushalt alles weiterläuft. Sie hat das alles souveran gemeistert!

Nun sind wir wieder alle zusammen in „unserem“ Haus und haben einander viel zu erzählen.

Und ja, wir haben noch ein neues Haustier…
Um jemandem Danke zu sagen, ist es hier üblich, ein Huhn oder Früchte zu schenken. Wir haben auf dem Einsatz viele Geschenke von den Leuten erhalten und haben so viel, wie uns der Pilot wegen dem Gewicht erlaubte, mitgenommen.

Martin hat ein Huhn nach Hause gebracht, welches nun von uns gepflegt und gefüttert wird.

sicher gelandet mit Geschenk in der Hand

Macht euch keine Sorgen!

Wir lesen als Familie jeden Morgen den Bibelvers für den Tag. Es fasziniert uns, wie dieser Vers immer wieder in unsere aktuelle Situation passt.

Am vergangenen Montag, als es Laura am Morgen nicht mehr gut ging und wir nachher ins Spital mussten, war Philipper 4,6 der Vers des Tages.

Tagesvers für Montag

Es fiel uns nicht einfach, uns in dieser Situation keine Sorgen zu machen. Dieser Vers führte uns vor Augen, dass wir in Gotttes Hand sind und er sich um uns kümmern wird.

Gott hat dafür gesorgt, dass es Laura schnell wieder gut ging. Schon am Mittwoch ist bei uns wieder der „normale Alltag“ eingekehrt und die ganzen Krankheitserlebnisse traten in den Hintergrund.

Als wir heute in den Gottesdienst gingen, wurde Psalm 28,7 erwähnt.

Er hat mir neue Kraft geschenkt und mich beschützt. Ich habe ihm vertraut, und er hat mir geholfen. Jetzt kann ich wieder von Herzen jubeln! Mit meinem Lied will ich ihm danken.

Psalm 28,7

Dieser Psalm fasst die Erlebnisse der letzten Woche ziemlich gut zusammen. Er bewahrt uns nicht vor allen Schwierigkeiten, aber er gibt uns die Kraft dafür und versorgt uns mit allem was wir nötig haben.

Der Vers von Montag wird uns noch ein weiterhin begleiten. Martin hat die Möglichkeit von Dienstag bis Samstag einen Einsatz im Busch zu machen. Er wird mit der Helimission nach Osten in den Regenwald fliegen und dabei einen Mitarbeiter von YWAM unterstützen.

Diese Einsätze haben verschiedene Schwerpunkte. Einerseits geht es darum, in diesen Dörfern das Wort Gottes zu verkünden und neue Kirchen zu gründen. Andererseits bringen sie auch eine Krankenschwester mit, welche sich um die gesundheitlichen Anliegen kümmert. Der YWAM-Mitarbeiter wird den Einheimischen faule Zähne ziehen. Martin wird ihn dabei assistieren.

Wir wurden von den Mitarbeitern informiert, wie so ein Einsatz ungefähr aussehen wird und was man mitbringen soll. Das Gepäck ist sehr beschränkt, da der Heli nur ein beschränktes Ladegewicht hat. Geschlafen wird wegen den Ratten, Mücken und Flöhen entweder im eigenen Zelt oder unter einem Moskitonetz in einer einfachen Hütte. Diese wird von den Einheimischen extra leergeräumt und zur Verfügung gestellt. Zu Essen gibt es drei mal am Tag ungesalzener Reis und Hühnchen. Wasser gibt es nur die paar Liter, welche man selber mitbringt. Handyempfang gibt es keinen.

Wir sind gespannt, was Martin alles erleben wird. Wir verlassen uns darauf, dass wir uns keine Sorgen machen müssen! Gott wird bei diesem Einsatz dabei sein und für Schutz und Sicherheit sorgen. Zudem wird er auch für Silvana und die Kinder sorgen, wenn sie alleine Zuhause sind.

Weihnachtsfeiern

Natürlich wurde auch in Madagaskar ausgiebig Weihnachten gefeiert!

YWAM Mitarbeiter in sommerlicher Weihnachtsstimmung

Bei den verschiedenen Arbeitsbereichen hier stand überall eine Weihnachtsfeier an. Wir kamen so in den Genuss an verschiedenen Ort mit ganz verschiedenen Leuten auf die unterschiedlichsten Arten Weihnachten zu feiern.

Silvana hat sich vor unserer Reise einige Gedanken zum Thema Weihnachten in der Ferne gemacht und ein paar wenige Dokosachen eingepackt. Um ehrlich zu sein, waren diese Sachen aber sehr lange im Koffer verstaut. Irgendwie fühlt es sich für uns bei 27 Grad nicht so richtig nach Weihnachten an.

Weihnachtsfeier auf der YWAM Base

Am Montag 16. Dezember durften wir auf einer YWAM Base in der Nähe an der Weihnachtsfeier teilnehmen. Die School of worship leitete den musikalischen Teil. So kamen wir in den Genuss von Weihnachtsliedern in verschiedenen Sprachen. Wer von euch hat schon mal Felice Navidad auf arabisch gesungen?

Es wurde viel gesungen und getanzt

Nach dem offiziellen Teil mit eher traditionellen Weihnachtsliedern wurde es dann sehr fröhlich und spontan gesungen und getanzt. Dabei gaben auch wir ein Weihnachtslied auf schweizerdeutsch zum besten.
Im Vorfeld von diesem Anlass wurden Lose gezogen und jeder brachte für jemanden ein Geschenk mit. Martin hat einen Strohhut bekommen und Silvana eine typisch madagassische Handtasche und ein Portemonnaie. Wir hoffen, dass wir mit unseren Victorinox Messern und Sparschäler ebenfalls Freude bereiten konnten!

Übergabe der Geschenke

Weihnachtsfeier mit ärmeren Familien

Die YWAM Base unterstützt 20 ärmere Familien aus dem Dorf. Für diese Familien findet zweimal im Jahr eine Feier statt. An dieser Feier erhalten sie auch Lebensmittel.

Einige Tage vor der Weihnachtsfeier gingen Laura und Martin mit einem Mitarbeiter auf Einkaufstour.

Der Einkaufszettel sah folgendemsassen aus:

  • 100kg Reis
  • 20l Öl
  • 8kg Salz
  • 20kg Zucker
  • 20kg Fleisch
  • 100 Pack Seife zum Waschen

Es hat Spass gemacht eine so grosse Menge einzukaufen!

Auf Einkaufstour

Die Weihnachtsfeier fand am Samstagmorgen 21. Dezember statt. Um nichts zu verpassen, waren alle Personen schon sehr früh da. Da auch wir mit den Vorbereitungen fertig waren, haben wir schon vor der geplanten Uhrzeit mit der Feier begonnen. Auch das gibt es in Afrika!

Alles ist bereit

Nach der Begrüssung haben wir ein paar madagassische Lieder gesungen. Dann gab es von einem Mitarbeiter ein Input zum Thema „Weihnachten und dass uns Jesus im Leben länger halt gibt als z.B. Lebensmittel“.

Als „Zmorge“ gab es dann für alle ein Thonsandwich und dazu Süssgetränke. Für diese Menschen war das etwas sehr besonderes und das haben sie auch entsprechend geschätzt.

Zmorge

Der Abschluss war dann die Übergabe des Lebensmittelsackes an die Familien.

Dank eurer finanziellen Unterstützung war es möglich, diese Weihnachtsfeier so zu gestalten. So wurde es auch für diese Familien „Weihnachten“. Vielen Dank an euch alle.

Krankenhaus

Wir hatten uns ja eingenlich fest vorgenommen, hier in Madagaskar die Krankenhauserfahrung auszulassen. Leider liess es sich am Montag nicht mehr vermeiden und wir mussten mit Laura, die je länger umso apatischer wurde, ins Krankenhaus.

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Centre Hospitalier Universitaire Anosiala

Laura beschreibt ihren Krankenhausaufenthalt wie folgt:

Wir waren alle krank mit Durchfall und Erbrechen. Weil wir am reisen waren als es anfing, haben wir uns am Telefon von Zaka (einem madagassischen Arzt) beraten lassen und mit einer Antibiotikakur begonnen. Das hat bei allen recht schnell geholfen, ausser bei mir. Als es am vierten Tag noch nicht besser war, gingen Mami und ich mit Setra als Übersetzer in ein Krankenhaus hier in der Nähe. Hier in Madagaskar muss man vor der Behandlung alle Medikamente, Gummihandschuhe, Pflaster, Spritzen und Watte selbst in der Apotheke besorgen. Nicht mal WC Papier, Bettwäsche oder Geschirr ist vorhanden. Die Matratzen waren sehr hart.
Ich bekam eine Ifusion. Dank dieser ging es mir schnell besser. Leider mussten wir über Nacht im Spital bleiben.

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Die verschriebenen Medikamente und Utensilien aus der Apotheke

Nach langem hin und her, haben wir uns für das „Chinesische Spital“ entschieden. Es wurde uns von mehreren Einheimischen und Europäern empfohlen. Es ist ein relativ neues, grosszügig gebautes Krankenhaus. Wir waren erstaunt über die Sauberkeit und auch mit der Behandlung waren wir zufrieden. Wir mussten nicht lange warten und wir bekamen sogar ein Zimmer für uns alleine mit zwei Betten drin.

Laura wurde gründlich untersucht und es wurden Blut- und Stuhlproben veranlasst. Jetzt wissen wir, dass wir keine Parasiten haben und auch sonst keine ernsten Infektionen zu finden sind. Wahrscheinlich war es einfach eine heftige Magendarm Infekton, die bei Laura (wie auch schon früher in der Schweiz) heftiger verlief, als bei uns anderen.

Wir sind sehr dankbar, dass sie dank der Infusion schnell wieder aufblühte und sich jetzt wieder fit fühlt.

Ferien

Seit Weihnachten sind hier bei YWAM bis zum 5. Januar Ferien.

Wir nutzten diese Zeit um ebenfalls Ferien zu machen. Ursprünglich planten wir, dass wir mit einer anderen Familie zusammen reisen, damit wir jemanden dabei haben, der die Sprache kann und sich im Land auskennt. Leider musste dieser Plan angepasst werden.
Da wir niemanden anderen finden konnten, der Zeit hatte, um mit uns zu reisen, haben wir uns schlussendlich alleine auf den Weg gemacht. Unser Plan war es, zwei Nächte in Andasibe zu übernachten und den Regenwald zu besuchen. Anschliessend wollten wir weiter an die Ostküste und zum Canal Pangalanes, wo es wunderschöne weisse Sandstrände geben soll.

Die Reise bis Andasibe verlief ohne Zwischenfälle. Wir waren auf alles gefasst, was die Strassenverhältnisse betrifft, waren aber sehr positiv überrascht! Die Strasse war viel besser in Schuss als erwartet. Es ist eine kurvenreiche Passstrasse mit vielen Lastwagen. Aber Passstrassen sind für uns Schweizer ja kein Problem 🙂  Unterwegs wurden wir dreimal von der Polizei angehalten und kontrolliert. Wir haben die Polizisten jeweils freundlich in madagassisch mit „Manaona“ begrüsst und sie waren immer sehr freundlich. Sie waren mit allen Papieren zufrieden, die wir ihnen zeigten, auch wenn wir selber nicht recht wussten, was genau auf diesen Dokumenten steht.

In Andasibe haben wir in einem Hotel zwei Bungalows reserviert. Es ist eine wunderschöne Hotelanlage mit einem Pool. Es tat gut, sich nach der Reise etwas abzukühlen und bewegen zu können.

Unser Bungalow im Regenwald

Am Abend hatte Irina plötzlich hohes Fieber und klagte über Übelkeit und Bauchweh. Leider ging es ihr auch am nächsten Tag nicht besser. Sie hatte starken Durchfall und wollte nur liegen und schlafen. Am Abend haben wir uns dann mit einem Arzt in Verbindung gesetzt. Er tippte relativ schnell auf Amöben und konnte uns Anweisungen geben, auf welche Symptome wir achten sollten. Als sie dann auch noch Blut im Stuhl hatte, war für ihn der Fall klar und wir organisierten an Silvester in der kleinen Apotheke im Dorf Medikamente für Irina.
Wir wussten nicht, wo die Apotheke genau ist. Wir mussten auch noch Zucker und Salz kaufen. Wir fuhren auf der einzigen grösseren Gasse durch das Dorf. Da Silvester war, waren am Strassenrand überall Marktstände aufgestellt und die Strasse war gefüllt mit Menschen. Mit der nötigen Geduld sind wir aber gut durch das Gewimmel gekommen. Als wir langsam am Ende des Dorfes ankamen und bisher trotz langsamer Fahrt keine Apotheke entdeckten, hielten wir bei einer Épicerie (ein kleiner Gemischtwarenladen am Strassenrand oder eher eine Art Kiosk) an. Zucker kauft man da offen und dieser wird dann in einen normalen Plastiksack abgefüllt. Silvana meisterte das alles souverän und erkundigte sich nach der Apotheke. Und siehe da, die Apotheke befand sich im selben Gebäude im oberen Stock und hatte sogar die nötigen Medikamente vorrätig.

Auf gehts!

Silvana machte mit Laura und Elio dann alleine eine Tour durch den Regenwald. Unser Guide kannte sich sehr gut aus und zeigte uns viele Pflanzen und Tiere. Wir hatten viel Glück und hörten schon nach wenigen Minuten den bekannten Ruf der Indri-Indri. Sie sind die grössten Lemuren in Madagaskar und leben nur in einigen Teilen des Landes.
Schon bald bekam unser Guide einen Anruf, die Indris seien ganz in der Nähe. Als wir dort ankamen, waren nicht nur die Indris dort, sondern auch braune Lemuren und ein Parsonchamäleon.

männliches Parsonchamäleon

Es war sehr faszinierend, diese Tiere in freier Wildbahn so nahe zu erleben. Die Lemuren in diesem Naturreservat werden nicht gefüttert und auch nicht gezähmt. Sie befinden sich vor allem zu ihrem eigenen Schutz im Reservat, da in Madagaskar leider immer noch viele Wälder aus Profitgier und Unwissenheit abgeholzt oder brandgerodet werden. Dies macht das Überleben für diese friedfertigen Tiere sehr schwierig.

Das Klima im Regenwald erinnerte uns stark an die Masoala-Halle im Zürich Zoo. Es war warm, aber nicht sehr heiss. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit kamen wir aber doch ziemlich ins Schwitzen und waren froh zu wissen, dass wir uns anschliessend im Hotelpool würden erfrischen können.

Wir beschlossen am Abend, noch zwei weitere Nächte in Andasibe zu bleiben und nicht weiter zum Canal Pangalanes zu fahren. Erstens soll die Strasse dorthin sehr schlecht sein und zweitens wollten wir uns nicht noch weiter von der Zivilisation weg begeben mit einem kranken Kind. Das andere Hotel ist vom Ende der Strasse nur mit einer 45-minütigen Bootstour erreichbar.

Gott sei Dank ging es Irina am nächsten Tag soweit besser, dass sie nicht mehr ständig aufs WC musste. So wagten wir als ganze Familie einen Ausflug zur Vakona Forest Lodge. Dies ist ein Hotel mit einer eigenen Lemureninseln und einem Krokodilpark.
Mit dem Kanu wird man zur Insel gebracht, wo man dann zu Fuss eine kleine Runde laufen kann. Hier wohnen verschiede Lemuren, welche als Haustiere oder in Zoos gehalten wurden und entweder krank oder nicht mehr erwünscht waren. Auf diesen Inseln müssen sie zwar gefüttert werden, weil sie nicht genug Futter finden, werden ansonsten aber relativ Artgerecht gehalten. Einige der Tiere sind sehr zutraulich und reiten gerne auf Rucksäcken oder Taschen mit.
Da wir das im Vorfeld nicht wussten, waren wir doch sehr überrascht, als ein Lemur Martin gleich beim Bootsanleger ansprang und auf der Kameratasche mitreiten wollte. Als dann Silvana mit dem grossen Rucksack kam, entschied der Lemur sich für die komfortablere Sitzgelegenheit auf dem Rucksack.

Wir waren etwas erstaunt, als wir mitten auf der Insel einen grossen Käfig mit einem schwarzweissen Vari sahen. Das passt so gar nicht zur Philosophie dieses Parks. Der Guide klärte uns dann auf. Varis tragen ihre Jungen nicht wie andere Lemuren auf dem Rücken, sondern versorgen sie die ersten Monate in einem Nest im Baum. Da dieser Wald nicht dicht genug ist, sind die Jungen eine leichte Beute für Raubvögel. Deshalb werden trächtige Weibchen eingefangen und verbringen die ersten Monate mit ihren Jungen in diesem Käfig. Wenn die jungen Tiere gross genug sind, werden sie mit der Mutter wieder freigelassen.

Auch der Krokodilpark war sehr interessant. Hier wohnen 78 Krokodile, ganz junge und auch schon ziemlich alte. Auch bei den Krokodilen wird darauf geachtet, dass sie möglichst viel Platz haben und so artgerecht wie möglich gehalten werden.
Chamäleons dürfen natürlich auch in diesem Park nicht fehlen. Elio war ganz fasziniert, als der Guide ein Parsonchamäleon mit einer Heuschrecke fütterte. Für ihn ist klar: Das will ich auch mal machen! Er übt sich jetzt im Fangen von Heuschrecken.

Baby-Krokodil

Am dritten Tag besuchten wir noch ein ganz kleines Reservat, wo wir einen Guide trafen, der sich in Deutsch bemühte. Man brauchte allerdings einiges an Phantasie, um ihn zu verstehen. Hier hatten wir ebenfalls Glück und konnten nochmals Indris von ganz nahe beobachten. Dieser Guide kannte sich sehr gut mit Pflanzen und Insekten aus. Er zeigte uns, welche Pflanzen natürliche Wasserspeicher sind und wie man aus Blättern Tassen faltet, um das Wasser aufzufangen und zu trinken. Er fing für uns auch eine Zikade. Jetzt wissen wir, wie diese Tiere aussehen, die abends einen sehr lauten Summton erzeugen, der manchmal fast weh tut in den Ohren. Als Elio ihm erzählte, dass er gesehen hat, wie ein Guide am Tag vorher ein Chamäleon fütterte, fing auch dieser Guide Heuschrecken für uns und wir konnten ein Chamäleon füttern.

Indri-Indri Lemur

Es waren ein paar sehr gelungene Tag und wir konnten uns erholen. Wir haben viel geschlafen, viel vom Regenwald gesehen und viele Spiele gespielt als Familie. An Silvester organisierte das Hotel ein besonderes Fest. Die Tische fürs Abendessen waren schön gedeckt, alle Kellner schön angezogen und eine Licht- und Musikanlage installiert. Wir sind jedoch alle nach dem Nachtessen ins Bett und sind schlafend ins neue Jahr gestartet.